Nr. 41/2018 vom 11.10.2018

Von Jürg Fischer

Himmeltraurige

Vor nichts schrecken manche Elemente zurück, wie wir der «Basellandschaftlichen Zeitung» entnehmen: «Polizei vereitelt Engeltrick-Betrug». Wie müssen wir uns das vorstellen? Statt «Hallo, ich bin dein Enkel, könntest du ein bisschen was überweisen?» kann es neu auch so tönen: «Hallo, ich bin dein Schutzengel, lass mal das Schutzgeld rüberwachsen!»

Haftpflichtige

«Zehn Jahre Haft hatte er zum Zeitpunkt seiner Begnadigung bereits verübt», hiess es in den Nachrichten von Radio SRF über den ehemaligen peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori. Bei aller Kritik an dessen kriminellem Wirken: Da wurde er weit über dieses hinaus zum Täter gemacht.

Abklatschende

«Boris Johnson erhielt für seine Rede am Parteitag der Konservativen in Birmingham grossen Abfall», meldete SRF derweil online. Nicht unpassend, finden wir. Obwohl – was einer erhält, und ob er es verdient, bleibt immer Zufall. 

Idiomatische

«‹Das darf doch nicht wahr sein.› Es war der erste Gedanke, den ‹Tagblatt›-Leserin Anneliese Langenegger überkam, als sie von der Schliessung des legendären Cafés Schober durch Pächter Michel Péclard erfuhr», berichtete das «Tagblatt der Stadt Zürich». Unser erster Gedanke: Hier hat jemand mit der heissen Schoggi zusammen eine Überdosis Zürihochdeutsch überbekommen.

Unverdaute

«Noch unbeschwert: Das Agenten-Quartett am Flughafen Schiphol kurz vor dem Aufliegen», untertitelte der «Tages-Anzeiger» ein Foto. Als sie dann beschwert waren, lag es ihnen stark auf.

Ringende

Im Wallis herrschen etwas rauere Formen als in der Üsserschwiiz, entnehmen wir diesem Satz aus der NZZ über die potenzielle Bundesratskandidatin Viola Amherd: «Sie zertritt sich während ihrer Präsidialzeit im Stockalperschloss in kleinlichen Querelen so gründlich mit ihrem langjährigen Finanzchef und Parteikollegen Louis Ursprung, dass dieser aus der CVP austrat.» Sollte es nicht in den Bundesrat reichen, wäre Plan B eine Karriere als Catcherin.

Organspendende

Widerspenstige Buchstaben plagten die NZZ auch bei diesem Satz aus einem Interview mit dem Schriftsteller Daniel Kehlmann: «Dann bricht aber die ganze Verlags- und Bauchhandelsinfrastruktur weg. Wenn ich mir das vorstelle, dann spüre ich gleich einen stechenden Schmerz in der Herzgegend.» Zum Glück werden derzeit immer mehr Kliniken zusammengelegt. Dann besteht die Chance, das gastroenterologische, das kardiologische und das orthografische Problem interdisziplinär zu lösen.

Untiefe

Mit Bedauern nahmen wir den Anschlag der Schifffahrts-Genossenschaft Greifensee zur Kenntnis: «Aufgrund des aktuellen tiefen Wasserstand können die Stege Mönchaltorf leider nicht angefahren bis auf weiters. Wir bitten um Ihr Verständniss!» Da ist nicht nur der Wasserstand saisonal zu tief. Mit den Greifenseeschiffen kann aber bedenkenlos gefahren werden; die letzte Havarie liegt Jahrzehnte zurück.

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