Nr. 47/2018 vom 22.11.2018

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Frankoviele

«Fooby», die ambitionierte Kochpublikation des Grossverteilers Coop, war kürzlich etwas überambitioniert: «Für schöne Teigschnitte braucht man ein sehr scharfes Messer. Das Profi-Werkzeug zum Teigschneiden heisst ‹Lâme de Boulanger› (‹Bäckersträne›) und ist scharf wie eine Rasierklinge.» Das ist nämlich doppelt schräg. Bei der angeblichen Träne wäre ein «r» verdrückt worden («larme»); die «lame» ist eine Klinge, und das ergäbe doch Sinn. Der Zirkumflex beseelt diese jedoch übermässig, auch wenn hier nur ein Apostroph wirklich Klarheit geschaffen hätte. Alles klar? Falls nicht, den Larousse konsultieren.
Jürg Fischer

Verletterte

Ob Buchstaben gesetzt werden und, wenn ja, wo, scheint auch im guten alten Deutsch je länger, desto wurst. «Geld für Erbeben-Opfer auf Sulawesi», vermeldete der «Tages-Anzeiger». Für das d kommt jede Hilfe zu spät. Die «NZZ am Sonntag» war derweil sportlich: «Mit Manuel Akanji jongliert er minutenlang denn Ball.» Wozu denn? Die «NZZ Online» orakelte ebenfalls fussballbezogen: «Auf der Fassade des geplanten Hardturm-Stadions könnte in Zukunft der Schriftzug der CS prangern.» Wir prangern gerne mit. «Mit der Ehrfrucht ist es jetzt vorbei», hiess es schliesslich in einem Zwischentitel im «Bund». Die Ehrfrucht gehört eben definitiv zum saisonalen Obst.
Jürg Fischer

Hintergedankliche

In der Spezialbeilage der «bz Basel» und «bz Basellandschaftliche Zeitung» zum 125-Jahr-Jubiläum des FC Basel: «Als FCB-Goalie mischte Christian Reinwald das Nachtleben auf – heute verdient er sein Geld mit Tauchen und Vögeln.» Hier war beim Texten ganz bestimmt die Unschuld zugange. Ob sich Reinwald aber auch sportlich um den Klub verdient gemacht hat, geht daraus nicht hervor.
Jürg Fischer

Gleichgestellte

«Im Moment stehen die Chancen gut, dass nach der Wahl vom 5. Dezember die Frauen eine Mehrheit in der Landesregierung stellen werden», stellte die «Basler Zeitung» fest. Uns scheint hier eine leichte Dyskalkulie vorzuliegen. Drei Siebtel entsprechen gemäss unserem Taschenrechner nämlich ungefähr 42,857142 Prozent. Nähme man aber rechtzeitig eine kleine Geschlechtsumwandlung vor mit dem Resultat einer Maurerin oder einer Parmeline, dann wäre die Quote tatsächlich übererfüllt.
Jürg Fischer

Unterschriebene

Mit einer ganz kleinen Einschränkung legte uns die «NZZ am Sonntag» einen Film ans Herz: «Die Rollen der von Bettina Stucky und Milan Peschl gespielten Eltern sind zwar etwas underwritten, dafür tragen die von den beiden hervorragend gecasteten Newcomern Francis Benjamin Meier (Noah) und Zsofia Körös (Lena) gespielten Hauptfiguren den Film.» Wir ahnen zwar, was der Autor meinte, doch der Satz als Ganzes scheint uns einen Hauch oversophisticated.
Karin Hoffsten

Vereinzelte

Ebenfalls um Kultur ging es bei einer ungewöhnlichen Vorsichtsmassnahme, über die der «Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern» berichtete: «Nach den beiden Theaterszenen wurde das Publikum eingeladen, in keinen Gruppen zu diskutieren.» Möglicherweise befürchtete man, in Gruppen könne sich das Publikum zu aufrührerischen Zusammenrottungen animiert fühlen.
Karin Hoffsten

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