Nr. 02/2019 vom 10.01.2019

Obacht, global!

So viel Welt, so viel Musik, so dicht gedrängt: Das gibts wohl nur beim 9. Norient-Festival in Bern. Unter dem hübsch doppelbödigen Slogan «Global Warning!» versammelt die diesjährige Ausgabe vierzehn Musikfilme: von Laibach in Nordkorea («Liberation Day») und japanischen Teeniestars («Tokyo Idols») über den südafrikanischen Strassentanz Pantsula («The African Cypher») bis hin zu Heavy Metal im Kriegsgebiet («Syrian Metal Is War»). Haben wir etwas vergessen? Ach ja, den rasanten Aufstieg einer lesbischen Rapperin in Schweden («Silvana»), den futuristischen Underground-Karneval in Rio («This Is Bate Bola») und die schottischen Traditionals mit dem Sänger von Arab Strap («Where You’re Meant to Be»). Schwindelerregend global!

Norient-Musikfilm-Festival in: Bern Reitschule, Do–So, 10.–13. Januar 2019. Ein Teil des Programms läuft auch in: St. Gallen Palace, Sa, 12. Januar 2019, 20 Uhr. norient.com

Florian Keller

Vorsicht, Verschwörung!

Wer schläft, den erwischt es. Nicht nur im Film «Invasion of the Body Snatchers» (1956), wo die Leute einer Kleinstadt im Schlaf zu gefühllos-ferngesteuerten DoppelgängerInnen mutieren und nur ein Arzt diesen Körperklau durchschaut. Auch im Stück «Alles wahr» des Journalisten Daniel Di Falco erwachen vier der fünf ProtagonistInnen erlöst von ihrer Angst vor der bedrohlichen Welt da draussen. Der Einzige, der wirklich wach geblieben ist, warnt weiter vor einer Verschwörung unerkannter Eliten. Wem sollen wir glauben? Das Theater Marie zieht uns hinein in einen Strudel, in dem sich Fakten und Meinungen zusehends mischen, und legt dabei das scheinbar logische, aber hermetisch geschlossene Denkgerüst von Verschwörungstheorien offen. Wer einschläft, ist selber schuld.

«Alles wahr» in: Aarau Theater Tuchlaube, Premiere am Freitag, 11. Januar 2019, 20.15 Uhr. Weitere Vorstellungen: www.theatermarie.ch, Tickets: www.tuchlaube.ch.

Franziska Meister

Achtung, ganz lang!

Nur kurz: Zeit ist bekanntlich relativ, das merkt man im Kino besonders gut. Kurze Filme können sich endlos hinziehen, umgekehrt vergeht ein Dreistünder manchmal wie im Flug. Das Xenix zeigt künftig regelmässig richtig lange Filme, darunter «Norte, the End of History» von Lav Diaz (vier Stunden) und die dokumentarische Chronik «Homeland (Iraq Year Zero)» von Abbas Fahdel (sechs Stunden).

«Richtig lang» in: Zürich Kino Xenix, bis 30. Januar 2019, danach jeweils einmal im Monat. Genaues Programm: www.xenix.ch.

Florian Keller

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