Nr. 02/2019 vom 10.01.2019

Gender und Queerness

«Queer Pop: Zu sich selber verfremdet», WOZ Nr. 50/2018

Zunächst habe ich mich sehr gefreut, einen ganzseitigen Artikel über Planningtorock in der WOZ zu sehen. Die Freude verging mir beim Lesen jedoch schnell. Zwar mag Klaus Walter ein erfahrener Popjournalist sein, ich kann jedoch nicht verstehen, wie ihr einen derart unreflektierten alten weissen Mann auf Planningtorock loslassen konntet. Allein die mehrfache Nutzung des Begriffs «Genderwahn» zeigt, dass der Autor weder die biografische noch die künstlerische Position von PTR zu erfassen vermag. Queerness bedeutet für ihn offenbar Freddie Mercury, Bronski Beat, und ja, Aids. Die von PTR favorisierten Pronomen will er weder sich noch den Leser*innen zumuten, das sei «irre kompliziert und sorgt für wohlfeile Heiterkeit unter gendermüden Leuten», zu denen er sich wohl auch zu zählen scheint. Dass Popjournalismus jenseits der Mackerfront nicht nur über-, sondern auch leben kann, zeigt zum Beispiel das vorzügliche «Missy Magazine». Vielleicht greift die WOZ zukünftig auf deren Autor*innenpool zurück, wenn sie umfassend kompetenten Musikjournalismus wünscht. Auf dass, wie von Herrn Walter seltsamerweise am Ende gewünscht, alte Realitäten verschwinden.

Roseli Ferreira, per E-Mail

Nonbinäre Sprache

«Queer Pop: Zu sich selber verfremdet», WOZ Nr. 50/2018

Im Artikel über Planningtorock wurde mir lange vor dem Schlusswort klar, dass hier aktiv die Verwendung von Pronomen vermieden wird. Da Planningtorock nonbinär ist, ist es natürlich erfreulich, dass zumindest auf falsche Pronomen verzichtet wurde. Dann aber: Das Verwenden der von Planningtorock bevorzugten Pronomen sei «irre kompliziert» – ist das euer Ernst? Was für eine verpasste Chance, genau das einzulösen, was am Ende des Artikels noch alibimässig postuliert wird: «Neue Begriffe spiegeln neue Realitäten» – ja, verdammt! Aber eben nur, wenn man sie verwendet.

Für eine Person, die sich dem zugeschriebenen Geschlecht zugehörig fühlt, mag das schwer nachvollziehbar sein, aber wenn dein Geschlecht unsichtbar ist, wenn du immer in die falsche Schublade gesteckt wirst, ist es so wichtig, dass es öffentlich sichtbare nonbinäre Menschen gibt. Planningtorock den Wunsch nach Verwendung siehrer korrekten Pronomen zu verweigern, bedeutet siehre Identität als weniger valide zu betrachten. Und der Gipfel ist die Begründung, nämlich dass «wohlfeile Heiterkeit unter gendermüden Menschen» vermieden werden soll. Damit wird den Bedürfnissen dieser (privilegierten!) Personen ein höherer Stellenwert eingeräumt als den Bedürfnissen einer Minderheit, die nicht nur mit Unsichtbarkeit, sondern auch mit Gewalt und Diskriminierung konfrontiert ist. Und das darf gerade in der WOZ nicht passieren.

Nins Nochstrasser, per E-Mail

Unchristlich

«Fluchthilfe: ‹Es geht um mehr als die Bestrafung von Anni Lanz›», WOZ Nr. 50/2018

Gerade haben die guten Christen das Ereignis gefeiert, dass vor 2000 Jahren eine Flüchtlingsfrau in einem Stall ein Kind gebären musste, weil den Fremden alle Türen der Herbergen verschlossen blieben. Aber die christlich-europäischen Leute kriegen einfach die Verbindung zur Gegenwart nicht hin: Sie sind es, die alle Türen verschliessen.

Felix Schweiter, per E-Mail

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