Nr. 22/2019 vom 30.05.2019

Knarren im Ohr

Begehbare Geschichte inszeniert der Regisseur Thom Luz vom Theater Basel. Und zwar direkt am Ort des Geschehens: im alten Radiostudio auf dem Bruderholz, das schon Ende 2019 abgerissen werden soll. In der Rauminszenierung soll es um ein gespenstisches Wiederaufflackern von allerlei ätherischen Geräuschfetzen, aber auch alten Nachrichtentexten und Songs gehen, die man als BesucherIn selber entdecken kann. Speziell gruselig dürfte dabei die Wiedererweckung des alten Hörspielstudios mit den knarrenden Böden und Türen und all den anderen künstlich zugespitzten atmosphärischen Geräuschen sein, die uns einst vor dem Radiogerät zu Hause zusammenzucken liessen.

«Radio Requiem» von Thom Luz in: Basel Ehemaliges Radiostudio auf dem Bruderholz. Genaue Termine auf www.theater-basel.ch.

Daniela Janser

Schroffe Wucht

In den Credits zum neuen Album «A Gaze Among Them» sind die Verstärker als eigene Instrumente angegeben. Das kanadische Trio Big Brave verzichtet zwar auf einen Bass, aber die von den zwei Gitarren gesponnene Soundwand ist gewaltig genug. Geradlinige Stoner- oder Noise-Riffs schwellen an und ab, mächtige Drones wabern durch den Raum, dahinter stapft das Schlagzeug scharf und schnörkellos. Das einzige melodische Element ist meist die oft gequält klingende, aber auch sehr starke Stimme von Sängerin Robin Wattie. Aus dem Kopfhörer klingt diese Musik differenzierter, poetischer – gerade auf dem vergleichsweise zugänglichen neuen Album. Live entfaltet sie dafür ihre ganze schroffe Wucht.

Big Brave in: Winterthur Gaswerk, Sa, 1. Juni 2019, 21 Uhr.

David Hunziker

Die Wahrheit der Fiktion

Ein schmales Bändchen mit viel aktueller Sprengkraft hat der Zürcher Germanist Thomas Strässle geschrieben: «Fake und Fiktion. Über die Erfindung von Wahrheit». Darin bringt er Kategorien – und alteingesessene binäre Oppositionen – auf sehr produktive Art ins Schlingern. Nicht zuletzt lässt er endlich die Fiktion zu ihrem Recht kommen, indem er die oft herbeizitierte Gegenüberstellung Fiktion versus Wahrheit frisch aufmischt: «Jede Fiktion besteht aus einer Verkettung von Fakten.» Aber was ist in diesem neuen Licht nun der Fake? Ein verleugneter Verwandter der Wahrheit oder eine politisch aufgeladene Spielart der Fiktion? In Basel unterhält sich Strässle über solche Fragen mit dem Kurator der aktuellen Ausstellung im Stapferhaus in Lenzburg. Die Ausstellung trägt den Titel: «Fake. Die ganze Wahrheit».

«Fake und Fiktion». Ein Gespräch mit Thomas Strässle und Alain Gloor in: Basel Literaturhaus, Do, 6. Juni 2019, 19 Uhr.

Daniela Janser

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