Nr. 22/2019 vom 30.05.2019

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Angeführte

In der Berichterstattung über den Prozess gegen sieben MitarbeiterInnen der 2016 verbotenen kurdisch-türkischen Tageszeitung «Özgür Gündem» lasen wir: «Sechs weitere Angeklagte wurden ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt, unter ihnen der ehemalige Chefredaktor der Zeitung ‹Hüseyin Aykol›.» Zum besseren Verständnis dieses Satzes weisen wir darauf hin, dass er in der alteingesessenen Zürcher Tageszeitung «Eric Gujer» erschienen ist.
Jürg Fischer

Irrwitzige

«Eric Gujer» verbreitet auch einen Newsletter, in dem er auf seine Inhalte hinweist oder sie auch einmal konterkariert wie vergangene Woche: «Dem Journalismus wird gelegentlich vorgeworfen, sich stark auf Negatives zu konzentrieren: Krisen, Dramen, Streit. Um diesem Einwand Rechnung zu tragen und ein Zeichen guten Willens zu setzen, tragen wir hier die ersten zwei Sätze einer positiven Meldung nach, die wir diese Woche unterschlagen haben: ‹Die Psychiatrie St. Gallen Nord blickt auf ein erfreuliches Geschäftsjahr 2018 zurück. Die Nachfrage nach psychiatrischen Behandlungen ist ungebrochen hoch.› So.» Wer solche Newsletter erhält, wird aber die psychiatrischen Dienste weniger in Anspruch nehmen; Stimmungsaufhellung ist garantiert.
Jürg Fischer

Verbstarke

«Stirb langsam» wäre niemals ein solcher Erfolg geworden, hiesse der Film «Sterbe langsam». Was viele im Alltag nicht hindert, frei mit Imperativformen umzugehen. «Lese deinen Text nochmals genau durch», rät «20 Minuten» seinen LeserInnen, und das just unter der Überschrift «So begeisterst du mit deinen Texten. Texte werden nur dann gelesen, wenn sie die Lesenden packen.» Immerhin werden sie auch dann verstanden, wenn die Schreibenden sie nicht packen.
Jürg Fischer

Bäumige

Der «Landbote» weiss, warum es Morgen- und Nachtmenschen gibt: «Aber es gibt sehr wohl genetisch bestimmte Unterschiede. Wir unterscheiden die beiden Typen Lärche und Eule. Es hilft natürlich, den Beruf typgerecht zu wählen.» Den Eulen raten wir zu irgendeiner Tätigkeit im Journalismus, der Lärche jedoch zu etwas Bodenständigem wie beispielsweise KorrektorIn.
Jürg Fischer

Freudsche

In der «Arena» gings um die Frage, ob Schweizer PolitikerInnen käuflich seien. Als der Moderator zu SVP-Nationalrat Gregor Rutz sagte, er sei «ja der Mister Tabak im Parlament», antwortete der zum Beleg seiner Unabhängigkeit, er habe sich «immer schon gegen Rauchverbote eingesetzt». Der fleissigen Person, die in Echtzeit für die Untertitel besorgt ist, muss das so abwegig erschienen sein, dass sie schrieb, er habe sich «schon immer für ein Rauchverbot eingesetzt». Was dem Tabakhandel sein autonomer Einsatz wert ist, wollte Herr Rutz trotzdem nicht verraten.
Karin Hoffsten

Nasse

«20 Minuten» berichtete: «Bei starkem Regen und Wind steht das Storchen-Brautpaar auf dem Horst und versucht, seine Jungen zu schützen.» Aus gut unterrichteten Kreisen wissen wir, dass die Paare in der Regel schon länger verheiratet sind, wenn die Brut da ist. Unterm Wetter leidet laut «Schweiz am Wochenende» auch die Reisebranche, der «nicht einmal das schlecht anhaltende Wetter» half. Die stürmische Raserei muss mal ein Ende haben.
Karin Hoffsten

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