Nr. 25/2019 vom 20.06.2019

Von Daniela JanserMail an AutorIn

Im Pfosten

Gotthelfs Novelle «Die schwarze Spinne» zeigt, dass der Spaltpilz mitten im Eigenen hockt. Die schwarze Spinne als Sinnbild für Zwietracht, Tod und Verwüstung sitzt im Herzen des schmucken Emmentaler Bauernhauses in einem Holzbalken, und wehe, wenn sie losgelassen. Theaterautor Christoph Fellmann sieht im schicksalsschweren Stoff, den er für ein Freilichtspiel neu bearbeitet hat, viele Anknüpfungspunkte für aktuelle Fragen: Klimawandel, Globalisierung der Märkte und unsichere Nachfolgeregelung auf Schweizer Höfen.

«Die schwarze Spinne» in: Ennetmoos NW Schwingplatz Allweg. Genaue Spieldaten: www.schwarzespinne.ch.

Vergiftete Illusionen

«Was weiss das Kino, was wir nicht wissen?» Das ist die Leitfrage, die sich der deutsche Filmwissenschaftler Rüdiger Suchsland für seine Auseinandersetzung mit dem Unterhaltungskino unter Hitler gestellt hat. Mehr als tausend Spielfilme wurden 1933 bis 1945 in Deutschland produziert. Viele von ihnen sind als «Vorbehaltsfilme» bis heute im Giftschrank und dürfen nur kritisch eingebettet gezeigt werden. Suchsland hat sie für seinen Filmessay «Hitlers Hollywood» gesichtet und Ausschnitte zu einem Kommentar verwoben. Dabei interessierte ihn insbesondere, wie sich die Illusionen auf der Leinwand mit der Vorstellungskraft der Menschen zu einem fatalen ideologischen Phantasma vermengen. Denn wie schon Hannah Arendt wusste, geht es bei moderner Propaganda weder um Fakten noch um Fake News, sondern um «die Konsistenz der Illusion».

«Hitlers Hollywood» in: Zürich Filmpodium. Die Vorführung am 25. Juni 2019 findet in Anwesenheit des Regisseurs statt. Alle Spieldaten: www.filmpodium.ch.

Schwarzer Elefant

Eine rabenschwarze Hügellandschaft schlängelt sich fast bedrohlich um die weissen Säulen des Ausstellungsraums. Erst wenn man näher herangeht, sieht man, wie filigran die Masse im Detail verarbeitet ist. Der Titel des Werks «The Elephant in the Room» gibt Rätsel auf, da man den sprichwörtlichen Elefanten im Zimmer ja normalerweise tapfer ignoriert, was hier kaum möglich ist. Die schwarze Masse aus Autoreifen und Gummilamellen bildet das Relief des Mittelmeerbeckens ab. In ihren Arbeiten bezieht sich die israelische Künstlerin Ella Littwitz oft auf ihr Heimatland, dem sie sich mit Recherchen in verschiedenen Bereichen annähert: botanisch, politisch, historisch, archäologisch. Jede Trennung zwischen den so verwobenen wie verfeindeten Kulturen von Israelis und PalästinenserInnen lehnt Littwitz ab.

Ella Littwitz, «The Promise» in: St. Gallen Kunsthalle. Bis 4. August 2019. www.kunsthallesanktgallen.ch.

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