Nr. 32/2019 vom 08.08.2019

Von Daniela Janser

Bilder im Schwindel

Wohin treibt uns die Gegenwart? Der Fotograf Yann Mingard geht dieser Frage seit Jahren nach, aktuell mit einem faszinierenden Projekt, bei dem er seine eigenen, charakteristisch dunklen Fotografien mit gefundenen Bildern und Reproduktionen aus der Kunstgeschichte oder aus Archiven des Vatikans oder der US-Geheimdienste kombiniert. Mingard, der als ausgebildeter Gärtner immer ein genaues Auge für die (un)natürliche Umgebung hat, durchmisst die Gegenwart, bohrt sich aber auch tief in viel ältere prähistorische Sedimente: Fotografie als geologische Schichtenlehre – und als schwindelerregender Schwebezustand. 

Yann Mingard: «Tant de choses planent dans l’air, d’où notre vertige» in: Lausanne Musée de L’Élysée, bis 25. August 2019. www.elysee.ch

Lichtbilder aus Solarstrom

Den Stuhl oder das Kissen muss man selber mitbringen, den Strom liefern mobile Solarpanels, das Kinoequipment wird mit zwei Fahrrädern von Ort zu Ort transportiert: Seit mehreren Jahren betreibt die Organisation für Entwicklungszusammenarbeit Helvetas ihr «Cinema Sud» und schickt zwei Filme aus dem Globalen Süden auf eine Sommerreise durch die Schweiz. Jeweils an zwei unterschiedlichen Tagen sind dieses Jahr «Rafiki», eine lesbische Romanze aus der kenianischen Hauptstadt Nairobi, und «Sibel» über eine stumme Aussenseiterin, der es in einem türkischen Bergdorf zu eng wird, zu sehen.

«Cinema Sud», bis Ende August 2019. Alle Spielorte und -daten auf www.cinemasud.ch.

Tropfendes Eis

Gletscher sind bei Schweizer Künstlern – und ein paar wenigen Künstlerinnen – seit jeher ein beliebtes Sujet. In ihnen paart sich Erhabenheit mit strengen kubistischen Formen –, und die bedrohlichen Eismassen auf den Gemälden von einst werden heute zum tropfenden Eis als Alarmzeichen der Erderhitzung. Das Kunsthaus Interlaken versammelt in einer aktuellen Schau viele bekannte Darstellungen der beiden Grindelwaldgletscher aus mehreren Jahrhunderten: Ferdinand Hodlers bekanntes Ölgemälde trifft da etwa auf die kunstvolle Fotografie einer Moräne mit Gletschersee aus dem Fundus des Tiefbauamts des Kantons Bern.

«keineismeehr. Die Grindelwaldgletscher – Kunst und Wissenschaft» in: Interlaken Kunsthaus, bis 25. August 2019. www.kunsthausinterlaken.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch