Nr. 40/2019 vom 03.10.2019

Von Mensch und Bank

«Asyllager: Auf zwei Rädern gegen die Isolation», WOZ Nr. 36/2019

Es ist beschämend und eine Schande, wie die Schweiz mit traumatisierten Flüchtlingen umgeht. Ich hoffe, dass die wahlberechtigte Bevölkerung dies einsieht und der ausländerfeindlichen SVP und ihrem Schatten, der FDP, bei den Wahlen eine Abfuhr erteilt. Es kann doch nicht sein, dass die Schweiz den pauschalbesteuerten Milliardären den roten Teppich ausrollt, aber die humanitäre Tradition (zum Beispiel das Rote Kreuz), für die sie bekannt ist, durch immer härtere Gesetze, Überwachung und Strafen mit Füssen tritt und Flüchtlingen dadurch ein menschenwürdiges Leben in unserer reichen Schweiz verunmöglicht.

Das Staatssekretariat für Migration veröffentlichte erst kürzlich seine Zahlen für abgewiesene Asylbewerber, diese haben sich um 8 Prozent verringert, und die Nothilfekosten haben sich um 0,8 Prozent auf 63 Millionen Franken reduziert. Wenn ich diese Kosten denjenigen zur Rettung unserer hochgradig wirtschaftskriminellen UBS (Mithilfe bei Steuerbetrug, bei Manipulationen von Libor-Zins und Devisen und so weiter) gegenüberstelle, dann ist das Verhalten der bürgerlichen Parteien im Asylwesen jämmerlich oder sogar bösartig. Die Rettung der UBS kostete 60 Milliarden Franken (Bund 10 Milliarden, Nationalbank 50 Milliarden), also 60 000 Millionen. Hörte ich damals einen Aufschrei, dass dies nicht finanzierbar sei? Natürlich nicht! Die UBS ist, anders als Flüchtlinge, systemrelevant, koste es, was es wolle. Oder anders gesagt: Das Kapital, nicht der Mensch ist wichtig und muss geschützt werden.

Max Bürgin, Birsfelden

Im Büro aufgehängt

«‹Bahn 2050›: Ein Plan für die SBB», WOZ Nr. 37/2019

Der Beitrag ist mit Abstand das Beste, was ich über die SBB in jenen Tagen gelesen habe. Ich scannte ihn ein und sandte ihn an die Generaldirektion der SBB. Hier nun die Antwort: «Persönlich halte ich den Text von Adrian Riklin für äusserst spannend und geistreich. Vor allem der Abschlusssatz (das Fazit als Vision) ist sehr gelungen. Ich habe den Bericht jedenfalls ausgedruckt und in unserem Büro aufgehängt.»

Joseph Goldinger, Grandson

Kapitalismus und Klimakrise

«Systemwechsel: Gesellschaft ohne Wachstum», WOZ Nr. 38/2019

Ich bin sofort für eine ökosozialistische Wende – weil sie die Gesellschaft gerechter und die Menschen glücklicher machen würde. Aber die Argumentation, dass wir den Kapitalismus überwinden müssen, um die Klimakatastrophe abzuwenden, überzeugt mich nicht. Der Autor des Artikels unterschätzt zunächst die technologischen Möglichkeiten, und vor allem unterschätzt er die Anpassungsfähigkeit des Kapitalismus. Die Beispiele im Artikel (Verbote von Kohlekraftwerken oder von Kurzstreckenflügen) werden den Kapitalismus nicht im geringsten ins Wanken bringen, denn schon heute ist auf Kurzstrecken die Bahn günstiger als die Flugzeuge und erneuerbare Energien rentabler als neue Kohlekraftwerke. Klar gibt es gewisse Kapitaleigentümer, die ein Interesse daran haben, dass weiterhin Strom mit Kohle erzeugt werden darf. Aber es gibt auch andere Kapitaleigentümer, die genau das gegenteilige Interesse haben. Und selbst wenn die Politik Klimamassnahmen ergreifen würde, die das BIP kurzfristig einbrechen lassen würden – das bringt den Kapitalismus doch nicht zum Einsturz. Im Gegenteil: Der Kapitalismus braucht solche Krisen sogar. Kurzum: Kapitalismus überwinden? Ja, gerne. Aber zur Bewältigung der Klimakrise ist das keine notwendige Voraussetzung. Das Einzige, was zur Bewältigung der Klimakrise fehlt, ist der politische Wille. Den zu schaffen, ist unsere Aufgabe. Darum auf zum #Linksrutsch am 20. Oktober!

Andreas Weibel, Bern

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