Nr. 45/2019 vom 07.11.2019

Von Jürg Fischer

Geschäftsuntüchtige

Früher hiess es mal: «Der Kluge reist im Zuge», und jedeR wusste Bescheid. Heute müssen die Bundesbahnen die KundInnensegmente differenzierter ansprechen, wie in diesem Inserat: «Gute Nachricht für Geschäftsreisende. SBB Mobile bringt jetzt auch Bahnbillette für Geschäftsreisen auf das Handydisplay und dabei Zeit, Papier und Nerven sparen. Du bist meine SBB.» Aber gell, du meine SBB, nur weil du deine Sätze nicht mehr durchliest, wirst du auch nicht pünktlicher.

Brillenschlängelnde

Die Verpersönlichung öffentlicher Verkehrsmittel hat auch einen Einfluss auf die Pflichten derselben. Der «Tages-Anzeiger» meldet aus Zürich: «Im vergangenen Frühling trat der erste Ausnahmezustand auf dem Tramnetz ein: Die Cobras mussten ihre Gelenkstangen überprüfen lassen.» Das wird die betroffenen Tiere maulen lassen, weiss man doch aus der Zoologie, dass so eine Kobra weit über 200 Gelenke hat.

Abgehobene

Apropos Zoologie. Watson.ch berichtet über die bigotte Sortimentspolitik des Detailhandelsriesen Coop, der sich zwar Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion auf die Fahnen schreibt, aber zum Beispiel fröhlich Fleisch aus Übersee einfliegen lässt: «Nun passen diese Versprechen nicht sonderlich mit dem Fluglamm aus Uruguay zusammen.» Fluglamm? Das gabs bei Brehm noch nicht. Aber nachhaltig würde es, überquerte es als Fleischvogel zubereitet den Ozean.

Unzustellbare

«‹Financial Times› und ‹Economist›, die zwei führenden Publikationen in Sachen Liberalismus und Marktwirtschaft, haben übers Wochenende mahnende Worte an die Adresse des Kapitalismus gerichtet», lasen wir ebenfalls auf watson.ch. Das ist ein bisschen tragisch, denn der Kapitalismus ist zwar allgegenwärtig, aber wenn man ihn greifen will, unbekannt verzogen.

Transsubjektive

Zurück zur Nachhaltigkeit und zum Detailhandel. Infosperber.ch fand heraus: «Die Migros brüstete sich als ‹die nachhaltigste Detailhändlerin der Welt›. Nur: Den Beweis, den sie liefert, ist mehr als dürftig.» Die Falldarstellung aber auch. Wobei sich der Nominativ nur vorübergehend in den «Tages-Anzeiger» abgesetzt hat: «Aber eben, der unsichtbare Teil der Rechnung macht das Ambiente aus.» Solange wir Medien alle noch zwischen den Zeilen lesen können …

Insiderische

Wir haben es nicht gemerkt, unsere LeserInnen schon: In der letzten WOZ stand das Wort «Bundeshausinternas», genau auf Seite 5. Dabei ist doch Interna bereits die Pluralform, genau wie Antibiotika, Spaghetti und Salami. Wir hoffen, spätestens mit der nächsten Rechtschreibreform nicht mehr dieser Hürde ausgesetzt zu sein, wenn es dann hoffentlich heisst: Internümmer, Antibiotikümmer.

Interdisziplinäre

Im selben Artikel war übrigens von «Verteidigungsminister Parmelin» die Rede. Das ist nun nicht rundweg falsch. Herr Parmelin verteidigt jetzt die Wirtschaft, während Frau Amherd die Verteidigung bewirtschaftet.

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