Nr. 48/2019 vom 28.11.2019

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Orthopädische

In der Nachlese zu den Ständeratswahlen im Kanton Zürich ist uns in «20 Minuten» noch dies über den Weg gelaufen: «Beim Kopf-an-Kopf-Rennen habe aber Noser klar die Überhand gehabt.» Wir vermuten, dass diese weniger störend ist als ein Überbein.
Jürg Fischer

Anfällige I

Gleich zwei verdächtige Konstruktionen sind uns dieser Tage begegnet: «Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) hat Cassis an die kürzere Leine genommen» (NZZ) und «Die Zuschauer erwarten an ihrem Konzert verrauchter Jazz, sanfte Balladen und tanzbare Popsongs» («Tages-Anzeiger»). Wieso verdächtig? Nur weil da mal der Akkusativ zuerst kommt, wollen wir nicht gleich rotsehen. 
Jürg Fischer

Anfällige II

Aber das geht dann doch zu weit: «Was kümmert Schauspielerin Beren Tuna ihren Kummer von gestern?» (tagesanzeiger.ch). Es sollte uns wundern, wenn der Ex der Schauspielerin Kummer hiess.
Jürg Fischer

Anfällige III

«Das müssen sich die Velofahrerin und der Velofahrer bewusst sein», dass nämlich Unfälle mit Lastwagen sehr schwerwiegend seien, liess der «Tages-Anzeiger» den Geschäftsführer von Pro Velo Zürich sagen, und vielleicht hat er es ja auch so gesagt. Wir schliessen uns der Warnung an, erzählen aber gern, dass uns kürzlich die Augen feucht wurden, als im Schweizer Fernsehen tatsächlich jemand sagte, er sei sich «dessen» bewusst. Wessen, haben wir vor lauter Freude vergessen.
Karin Hoffsten

Pausenlose

«Sie machen also nie Pausen?», wurde der Philosoph Slavoj Žižek von den Tamedia-Zeitungen gefragt. Seine Antwort: «Sehr wenige. Wenn ich nicht jeden Tag nicht etwas schreibe oder lese, dann fühle ich mich sehr schlecht.» Angenommen, er hat das so gesagt, würde er dem Ruf eines Denkers gerecht, der noch aus den banalsten Angelegenheiten ein Paradox macht. Wenn nicht, müsste man dies dem Korrektorat zugutehalten.
Jürg Fischer

Aufgeweckte

«Kinder sind ‹Where we belong›-gemäss sehr viel wächer, differenzierter und aufmerksamer, als gemeinhin angenommen», hiess es in einer Filmkritik im «P.S.». Schön wärs, diese wäre noch steigerungsfähiger.
Jürg Fischer

Beitrittsgefährdete

«Trete auch du dem Komitee bei und kämpfe für eine Gesellschaft, welche (…)», lasen wir in einem Inserat. Im Grunde ist es völlig egal, für welche Art Gesellschaft hier gekämpft werden soll – Sprachsensible sind für diesen Kampf schon nach dem ersten Blick verloren.
Karin Hoffsten

Unverschämte

«Deutsche Flugbestatter kippen Flüge über Schweizer Berge», titelte «20 Minuten» kürzlich. Das Verstreuen von Asche eines lieben Verstorbenen aus der Luft war uns zwar vage bekannt, doch dass ganze Flüge über unsere schönen Schweizerberge gekippt werden, ist uns neu. Nur weil deutsche Friedhöfe überfüllt sind, ist es noch lange nicht in Ordnung, die Leichen bei uns zu lagern. Dafür gibts den Mount Everest.
Karin Hoffsten

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