Nr. 34/2020 vom 20.08.2020

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Erstaunliche

«Wer (…) regelmässig zu Vorsorgeuntersuchung geht (behandelbare Todesfälle), verhält sich weniger selbstzerstörerisch», hiess es auf bluewin.ch. WOZ-Leser L., als Hausarzt vom Fach, empfiehlt allerdings dringend, vor der Behandlung eine Kostengutsprache einzuholen, weil bei dieser Anschlusslösung bezüglich Leistungspflicht unter den Kostenträgern noch Uneinigkeit herrsche. Wir geben das gerne weiter.

Eingeschränkte

Auch in Luzern ist man innovativ, wie zentralplus.ch berichtete: «Ferner ist eine Photovoltaikanlage geplant, deren Leistung gemäss Imbach riechen würde, um 210 Haushalte mit Strom zu versorgen.» Um die olfaktorische Belastung für die BewohnerInnen zu kompensieren, wird hoffentlich eine Mietzinssenkung erwogen.

Unterobsige

Die SVP habe sich «im Oberwalliser Dorf Le Châble zur Delegiertenversammlung» getroffen, war in der WOZ zu lesen. Zwar schätzte Leser N. den dazugehörigen Text, erinnerte aber daran, dass die Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch das Ober- vom Unterwallis trennt. Im Oberwallis hiesse das Dorf natürlich Ds Kabil.

Bildhafte

Nicht von den Gipfeln des Oberwallis, sondern vom Pilatus liess eine Autorin im «Walliser Boten» «die Augen schweifen (…) da pulsieren unweigerlich tiefe Heimatgefühle in den Adern». Und diese brachen sich Bahn: «Hehre Worte zum Nationalfeiertag glotzen wie Froschaugen aus dem Schilf der Seen weiter unter mir und warten auf den kometenhaften Aufstieg am 1. August.» Über die Landung schwieg sie. 

Leibhaftige

Dem «St. Galler Tagblatt» erzählte ein Pfarrer: «Ein Viertel der Gottesbesucher wohne der Predigt in der Kirche unter den geltenden Schutzbestimmungen bei, ein Viertel sehe sich den Gottesdienst im Internet live an, und die Hälfte lade sich das Geschehen irgendwann als Podcast herunter.» Jetzt, wo klar ist, dass ER wirklich in der Kirche wohnt, können IHN hoffentlich bald wieder alle persönlich besuchen. 

Ökonomische

Um ihre Bezahlmedien ohne grossen Aufwand zu füllen, hat sich Tamedia etwas Neues einfallen lassen: Im Text wird einfach ein ganzer Abschnitt wiederholt, meist gegen Ende eines Artikels, denn bis dahin liest ja sowieso kaum jemand. Begegnet ist uns das geschickte Stilmittel in einem Bericht über den zurücktretenden Bundesanwalt, zu dem einem ja wirklich langsam die Fakten ausgehen, und in der Präsentation eines Buchs über das quirlige Eichhörnchenkind Frida. Also, über Frida hätte es sicher mehr zu erzählen gegeben!

Brutale

Natürlich wissen wir, dass Dinge bei Versteigerungen nur sprichwörtlich «unter den Hammer» kommen. So schwiegen wir kürzlich, als laut diversen Medien erst Kurt Cobains Strickjacke, der es nicht allzu viel geschadet haben dürfte, und dann seine Gitarre unter den Hammer kamen. Aber die Nachricht «Brille von Gandhi kommt unter den Hammer» ist für sensible Menschen einfach zu viel.

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