Nr. 35/2020 vom 27.08.2020

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Despektierliche

Der «Landbote» protokollierte die Pressekonferenz zu den neuen Coronaregeln. Die erste Frage lautete: «Ersetzt die Maskenpflicht die Anstandspflicht?» Worauf die Kantonsärztin gesagt haben soll, «am besten sei, wenn man beides einhaltet». Danke! Denn wenn jetzt alle hinter ihrer Maske immerzu Depp, Dummbeutel oder Doofkopp austeilen, hält das doch auf Dauer kein Mensch aus.

Verdeutlichte

Apropos ein- und aushalten: Die aktuelle Lage erfordert natürlich einen ganzheitlichen Umgang mit den neuen Belastungen. Drum informierte «20 Minuten/Friday»: «So trägt ihr Masken stylisch und sicher», was wiederum Leserin U. zum Hinweis animierte: «Aber ihr erhält eine schwache Deutsch-Note.» Wir freuen uns herzlich über die Unterstützung, haben wir doch diesbezüglich derweil ein bisschen den Mut verloren.

Missinterpretierte

Die «NZZ am Sonntag» liess den Künstler Ai Weiwei übers Schachspiel sagen: «Die Springer können sich nur diagonal bewegen, die Pferde anders.» Weil Springer und Pferd dieselbe Figur bezeichnen, konnte der Eindruck entstehen, der Mann habe keine Ahnung. Doch im ungekürzten Interview auf «NZZ online» sagt Ai Weiwei: «Die Läufer können sich nur diagonal bewegen, die Pferde anders.» Und wieder einmal erweist sich der Wert eines umfassend gebildeten Korrektorats auch fürs Printmedium.

Niedergelassene

Der «Tages-Anzeiger» beschäftigte sich mit der Menschenrechtssituation in Katar und enthüllte dabei einen wichtigen Teilaspekt: «Katar ist kein Rechtsstaat, Homosexuelle sitzen im Gefängnis wie Frauenrechtlerinnen.» Da stellt sich nicht nur Leser K., sondern auch uns die Frage: Wie sitzen die denn?

Erschreckende

Ein Untertitel in der gleichen Zeitung lautete: «Wenn die Mütter mit dem Nachwuchs kommunizieren, wird ihre Tonlage höher – ähnlich wie bei Menschen.» Wir befürchteten schon, nun würde Müttern zu allem andern auch noch das Menschsein abgesprochen, doch der Text offenbarte, dass auch mütterliche Sackflügel-Fledermäuse, Zebrafinken und Totenkopfäffchen zur Babysprache greifen. Ist ja eigentlich süss, oder?

Papierige

Ganz anders gelagert ist der folgende Fall, den die «Basler Zeitung» meldete: «Die Mietverträge von elf Wohnungen auf dem Basler Bruderholz müssen ausziehen.» Da kommen wenigstens keine Menschen zu Schaden.

Aussergewöhnliche

Im NZZ-Briefing lasen wir Trauriges: «Die STA Travel Holding AG meldet Insolvenz an. Grund für das Aus des Jugend- und Studentenreisebüros sind ausbleibende Ausnahmen wegen der Corona-Pandemie.» Mit den Ausnahmen konnte das Reisebüro wohl jeweils mehr Einnahmen generieren.

Verquere

Im NZZ-Briefing hiess es kürzlich auch: «Basel hat das Verbot für nicht Betteln abgeschafft. Das ging gründlich schief.» Wen wunderts?  

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