Nr. 38/2020 vom 17.09.2020

Von Jürg Fischer

Gesellschaftsfähige

Leser B. wunderte sich über den vom «Blick» über Irina Beller geäusserten Satz: «Seit dem 19. Mai ist die Society-Lady Witwe und wieder äusserst umtriebig.» Finden wir auch komisch. Ist «umtriebig» die Steigerung des Witwendaseins? Oder wird es unter Umständen überhaupt erst post mortem des Partners möglich, Umtriebe zu machen? Wir möchten es glaub gar nicht so genau wissen.

Akute

Nicht ganz sicher waren wir auch bei diesem an einer Zürcher Geschäftsliegenschaft angebrachten Satz: «Bitte diese Tür nach 16.00 Uhr immer abschliessen! Sie wurde in letzter Zeit einige Male nicht abgeschlossen und es besteht dringende Einbruchsgefahr.» Nimmt man den Duden ernst, heisst «dringend» nämlich so viel wie «keinen Aufschub duldend». Und schon sind sie da, die sprachgewandten Einbrecherinnen.

Verkürzte

«Es blieb im verwehrt», lasen wir im «Tages-Anzeiger» über ein verstorbenes Zürcher Stadtoriginal. Besser wäre gewesen: «Es wurde im Unrecht getan.»

Aufgestellte

Was mussten wir nicht schmerzlich in den letzten Monaten immer wieder zur Kenntnis nehmen: Es heisst «desinfizieren» und nicht «desinfiszieren». Zum Glück gibt es aber hierzulande noch anderen Sprachgebrauch, der sich so schnell nicht unterkriegen lässt: «Gratis abzugeben, Confi + Stellerisiergläser an Hoflade oder Privat», stand in einer Kleinanzeige im «Tagblatt der Stadt Zürich». Einmal stellerisiert, kann das Virus schauen, wo es bleibt.

Ökokatastrophale

Der «Bund» berichtete, eine Frau sei an der Aare von einem «Walweg» abgestürzt; die SRF-News-App griff derweil die «Waltbrände» an der US-Westküste auf. Wir konstatieren ein verbreitetes Waldsterben.

Krisengeschüttelte

Das dominierende Thema des Jahres beeinflusst unser aller Wahrnehmung. Wenn von der Sonnencorona die Rede ist, denken wir automatisch: Autsch, Symptome! Etwas Ähnliches passierte Leser A., als er in der SRF-App «Ein Erfolg mit Abstrichen im wichtigsten IS-Prozess» las: «Wer kann heute ‹Abstrich› lesen, ohne an Covid-19 zu denken?» Wir nicht. Wir wissen aber auch nicht, ob wir hoffen sollen, dass der Test positiv war.

Architektonische

«Nur fünf Minuten von Palma, fussläufig zum Meer», wirbt eine Immobilienfirma in der «NZZ am Sonntag» für ein Luxusanwesen auf Mallorca, was uns die Stirn runzeln liess. Wäre es nicht praktischer, einen Handlauf anzubringen?

Wuchernde

«Kavaan musste 35 Jahre in einem pakistanistanischen Zoo leiden», berichteten die «Basler Zeitung», die «Berner Zeitung» sowie diverse andere Medien online über einen vernachlässigten Elefantenbullen (inzwischen korrigiert). Wir können uns die Bemerkung nicht verkneifen, dass da auch ein Wort an Elefantitis litt.

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