Nr. 40/2020 vom 01.10.2020

Von Jürg Fischer

Begriffsstutzige

Mit der Bezeichnung «Gesundheitsidreketion» schuf watson.ch ein neues Amt oder vertraute auf die Tatsache, dass wir, selbst wenn fast alle Buchstaben verdreht sind, erfassen, was gemeint ist. Bloss unsere Fantasie liest hier also Gesundheitsdiskretion oder Gesundheitserektion.

Treffsichere

Der ernüchternde Bericht einer Frau in der «SonntagsZeitung» über ihre Datingerfahrungen hält über einen der Männertypen, die sie getroffen hat, fest: «Er erklärt ihr, was er ihr als Mann und Partner alles bieten könne, und prüft anschiessend, ob sie in sein Schema passt.» Wir können durchaus nachvollziehen, dass ihr hier das Unbewusste einen Streich gespielt hat, sind aber einfach froh, dass sie noch mal davongekommen ist.

Schiffbrüchige

«Da die erste Corona-Welle in Asien auftrat, sollten Flüge dorthin am frühesten wieder möglich werden, aber auch da sind die Schotten fast überall dicht», lasen wir in der NZZ und waren etwas irritiert. Ist da die Rede von den Einwohnern Schottlands? Die sind doch am liebsten zu Hause dicht. Auch um leckgeschlagene Flugzeuge geht es nicht, sondern um die desolate Lage des weltweiten Luftverkehrs. So bleibt nur die ernüchterte Feststellung, dass wir nicht ganz dicht waren. 

Verschwommene

«Das Badi-Gelände ist jeweils von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, ausser in den Monaten Oktober und März, da schliesst das Freibad erst eine Stunde später, um 18 Uhr», meldet der «Tages-Anzeiger». Hoffentlich ist dann noch eine Bademeisterin oder ein Bademeister anwesend, denn wir LeserInnen kommen da mächtig ins Schwimmen.

Warenkundige

«Waren übernimmt die Leitung in der Krise?», fragte das «St. Galler Tagblatt» nach dem Abgang von «Mister Corona», Stefan Kuster. Ja, warenliwar?

Eingemittete

Die «Luzerner Zeitung» zitierte den Historiker Pirmin Meier im Zusammenhang mit den Neupositionierungsbemühungen der CVP: «Der konservative Flügel ist seit den 80er- und 90er-Jahren lendenarm!» Mit anderen Worten fehlt es genau dort, wohin die Partei will: in der Mitte. Aber immer noch besser lendenarm als geistlos.

Expertisige

In der SRF-«Tagesschau» kam vergangene Woche Mark Pieth zu Wort, angeschrieben mit einem unserer liebsten Versprecher: «Eremitierter Professor für Strafrecht, Universität Basel». Wenigstens wurde er nicht als Konifere vorgestellt, und er fiel auch nicht durch seine marinierte Ausdrucksweise auf.

Transitive

«Der Kirchenbund hatte in seiner 100-jährigen Geschichte noch nie eine weibliche Person als Präsidentin», konstatierte der «Kirchenbote». Echt jetzt? Bis jetzt gingen wir doch in die Kirche, weil wenigstens dort noch die Geschlechtsidentitäten unhinterfragt waren.

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