Nr. 48/2020 vom 26.11.2020

Der verarmte Stucky

«Venedig und die Biennale: Vom glamourösen Hotspot zum Zukunftslabor», WOZ Nr. 45/2020

Frau Basting schreibt in ihrem Text über die Zukunft der Biennale auch über Giovanni und Giancarlo Stucky, Vater und Sohn, und deren Mühle. Sie schreibt, Giovanni sei vermutlich von einem Anarchisten ermordet worden. Der Täter war der Anarchist Giovanni Brunier. Giancarlos Unternehmen wurde durch den Krieg und das faschistische Venedig sukzessive in den Konkurs getrieben. Ein Konsortium aus Grossunternehmern, zu denen auch Giuseppe Volpi und Vittorio Cini gehörten, kaufte die Mühle aus der Konkursmasse. Cini als Privatmann erwarb daraus auch den Palazzo Grassi – als Spekulationsobjekt. Seine Familie besass längst ihren Palazzo am Canal Grande.

Von einem Kauf zwischen Partnern kann in beiden Fällen keine Rede sein. Stucky, einst reichster Mann Venedigs, starb dort verarmt und vereinsamt. Er war Ausländer und Jude.

Margrit Windlin, Luzern

Genderwechsel

«Falklandinseln», «wobei» Nr. 6/2020

Ich habe mit Gewinn die Beilage über die Falklands gelesen. Allerdings wurde mir der Genuss stark geschmälert, da ich mich durch ein penetrantes und nicht einmal immer konsequentes Schlachtfeld der sprachlichen Gendrifizierung der Personenbezeichnungen durchkämpfen musste. Zugegeben: Es ist durchaus kreativ, wenn wir nun auch UntertanInnen und PhilippinerInnen haben. Aber warum manchmal Briten, manchmal BritInnen? Warum keine MinenräumerInnen? Keine SpanierInnen? Die spinnen, die Römer, hätte Obelix gesagt, wobei er dann gendergerecht wohl RömerInnen hätte wählen müssen.

Ein Vorschlag: Wechseln Sie doch, wo es geht, einfach ab. Die geneigte Leserin wird dann schon rausfinden, wie er es richtig lesen muss. There is just one fundamentalism: No fundamentalism! Das sollte auch hier gelten.

Jürg Baumberger, per E-Mail

Bührles Bilder verkaufen!

«Geschichtsstreit: Bührle wird berichtigt», WOZ Nr. 47/2020

Es wäre konsequent, all die Bilder, die Emil Bührle zusammengerafft hat, mit dem Geld, das er als Kriegsgewinnler machte, zu verkaufen, statt sie im neuen Kunsthaus am Pfauen auszustellen. Der Erlös könnte den Opfern der aktuellen Kriege zur Verfügung gestellt werden, den Hundertmillionen Flüchtlingen. Die Bilder Emil Bührles sollen einen Wert von drei Milliarden Franken haben.

Bei der Aufarbeitung der Geschichte der Bührle-Sammlung wurde der Fehler gemacht, dass Vertreter der Stadt und der Bührle-Stiftung bei der Arbeit der Historiker eingegriffen haben und Korrekturen verlangten. Doch vergessen wir bei all den interessanten historischen Forschungen über Emil Bührle, Alfred Escher und so weiter die Gegenwart nicht. Hier ist oft auch sehr Übles zu vermerken, das wir zu ändern versuchen könnten.

Die Waffenexporte der Schweiz und von Bührle im Zweiten Weltkrieg und die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland erfolgten unter sehr grossem Druck. Die Schweiz war umkreist von Staaten, die auf der Seite von Hitler und Mussolini standen. Heute ist ein solcher Druck nicht mehr vorhanden. Deshalb könnte die Schweiz endlich darauf verzichten, den ständig kriegführenden Nato-Staaten und den Regimes im Nahen Osten Kriegsmaterial zu liefern. Auch sollten nicht mehr Milliarden in ausländische Rüstungskonzerne investiert werden durch die Nationalbank, Banken, Versicherungen und Pensionskassen. Diese Milliarden aus der Schweiz fliessen sogar in Konzerne, die Atombomben herstellen, wie ICAN, die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, Trägerin des Friedensnobelpreises 2017, dokumentierte.

Heinrich Frei, Zürich

Entsetzen in Argentinien

Diverse Artikel zur Konzernverantwortungsinitiative

Ich danke euch sehr für all die sorgfältigen Hintergrundberichte zu konkreten Tätigkeiten von Konzernen in Südamerika, Afrika, Asien und Griechenland, und das nicht nur während der Abstimmungskampagne.

Ich selbst habe acht Jahre in Argentinien gelebt und war entsetzt über die grossflächig eingezäunten Bergwerke mit Privatflugplatz in Patagonien, mit patrouillierendem Sicherheitspersonal rund um die Uhr.

In der Provinz Córdoba im Zentrum Argentiniens und im Nordosten werden weiterhin riesige Gensojafelder angelegt und mit gefährlichen Pestiziden «behandelt». Jetzt sind im Norden Argentiniens unter anderem die Salzseen am Paso de Jama im Fokus der Lithiumbatterien-Hersteller, für die nächste «nachhaltige Zukunft» …

Roger Clausen, Tagelswangen

Hinweise, Lob, Kritik

Diverse Artikel zum Coronavirus

Wo schützende Abstände nicht eingehalten werden können, ist eine Maskentragepflicht nachvollziehbar, denn sie kann vermeidbare Ansteckungen verhindern. Wir von der Beratung für Schwerhörige und Gehörlose Bern (BFSUG BE) sehen aber eine unglückliche Begleiterscheinung: Menschen, die durch ihre Hörbeeinträchtigung auf Lippenlesen und das Erkennen von Mimik angewiesen sind, stehen vor einer sehr grossen Herausforderung. Wegen der Maske ist es für sie nahezu unmöglich, das Gegenüber zu verstehen. Das bedeutet eine dauerhafte Belastungssituation, denn es kann zu unglücklichen Missverständnissen führen oder im schlimmsten Fall eine gelingende Kommunikation verunmöglichen. Das kann überall passieren: an einer Kasse, bei Nachfragen auf der Strasse oder beim kollegialen Austausch bei der Arbeit bzw. in der Schule.

Wie kann Kommunikation dennoch gelingen? Versuchen Sie doch, wenn immer möglich, genügend Abstand herzustellen, damit beide die Maske abziehen können. Das BAG erlaubt dies in solchen Situationen. Oder seien Sie kreativ und benutzen Sie Ihr Handy oder Papier mit Stift, um eine Botschaft zu notieren. Sie können auch Ihren Körper nutzen, um Botschaften bildhaft darzustellen. Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung schätzen diese solidarisch-kreative Bereitschaft sehr – wirklich. Danke für Ihre Mithilfe!

Cristian Cardoso, Sozialarbeiter BFSUG, Bern

Herzlichen Dank für eure fundierte Corona- Berichterstattung! Und allgemein ist die WOZ wichtiger denn je in dieser verwirrten Zeit.

Rolf Wilfinger, per E-Mail

Wie es bereits eine andere Leserin in der letzten WOZ tat, möchte ich ebenso meine Kritik an Eurer Corona-Berichterstattung bekunden.

In den allgemeinen Medien kann ich täglich Berichte zur Symptombehandlung der Krise lesen. Von der WOZ erwarte ich aber auch eine Hintergrundrecherche mit einer tiefergehenden Analyse der Virusherkunft, was ich bisher vermisse. Das heisst: Was läuft in unserem Umgang mit Natur und Umwelt falsch, warum sind wir in unserem Immunsystem geschwächt?

Endlich mal ein interessanter Bericht hierzu liest sich im Leitartikel im aktuellen «Monde diplomatique» («Arme Schweine», Ausgabe November), in dem es um das Auftreten von Krankheiten durch Massentierhaltungen bei Schweinen geht und die völlig fehlerhaften Massnahmen von Regierungen und Kommissionen, die mit angeblichen «Biosicherheitsmassnahmen» noch mehr die industrielle Fleischproduktion fördern, was das Aus für viele kleine bäuerliche (Bio-)Betriebe mit meist tierfreundlicherer Haltung bedeutet.

Zusammengefasst finde ich es wichtig, der Verflechtung von industrieller Landwirtschaft, ökologischem Raubbau, Verschwinden von Biodiversität und dem damit einhergehenden Anstieg von Pandemien auf den Grund zu gehen.

Kristina Fennekohl, Thusis

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