Nr. 40/2021 vom 07.10.2021

Von Karin HoffstenMail an Autor:in und Jürg Fischer

Widersprüchliche

Im Abdruck der bemerkenswerten Rede von Journalistin Nina Kunz zum Thema Gendern, die sie vor – überwiegend männlichen – Vertreter:innen der Schweizer Medienkonzerne gehalten hatte, setzte das «St. Galler Tagblatt» den Zwischentitel: «Das generische Maskulin ist keine Lösung, sondern ein Quark». Parallel dazu veröffentlichten «CH Media»-Zeitungen «in eigener Sache […] einen Leitfaden für geschlechtergerechte Sprache» mit dem Hinweis: «Der generische Maskulin ist zwar praktisch, denn er ist kurz.» Wir ergänzen: Die generische Femininum ist zwar nicht besser, aber in jedem Fall länger.
Karin Hoffsten

Produktive

Der «Zugerbieter» berichtete über das Jubiläum einer internationalen Schule: «Angefangen hat die Schule 1961 ganz klein – mit einer Lerngruppe für Kinder des amerikanischen Autokonzerns Willys-Overland Motors.» Neben Kindern produzierte Willys-Overland Motors übrigens hauptsächlich Jeeps.
Karin Hoffsten

Durchseuchte

«Rund 3000 Inketionen in Deutschland», meldete «Blick online». Infektionen? Injektionen? Da werden auch wir skeptisch. Aber der «Blick» hat halt für jede:n etwas.
Jürg Fischer

Fäkalisierte

«Ein weiterer Kackpunkt sind die Kosten.» Mit dieser Feststellung zum neuen Covid-Medikament brachte der «Tages-Anzeiger» eine weltweit gültige Wahrheit elegant auf den Punkt. Denn egal, worum es geht: Die Kosten sind und bleiben der kapitalistische Kackpunkt.
Karin Hoffsten

Prozessuale

Kein Geringerer als der Bündner Regierungspräsident Marco Cavigelli fragte kürzlich im «Bündner Tagblatt»: «Ist das, was getan oder nicht getan wird oder worden ist, ichtig so?» Ichtig in diesen Fällen schon, aber es bleibt ein Hauch von Zweifel.
Jürg Fischer

Grünfutternde

Die «Coop-Zeitung» gab in ihrer Berichterstattung zur Aktion «Taten statt Worte» zu bedenken: «Ob Rüebli oder Böhnli: vor allem bei frischen Früchten und frischem Gemüse muss es schnell gehen – schliesslich sollen die armutsbedürftigen Menschen auch einwandfrei geniessbare Ware erhalten.» Die Armutsgesättigten müssen sich weiterhin mit Tiefkühlgemüse zufriedengeben.
Jürg Fischer

Wegwerfende

«Littering sollen höher gebüsst werden können», titelte der «Tages-Anzeiger», etwas unaufgeräumt. Oder hat diese Formulierung einen unterschwellig fremdenfeindlichen Touch: «Abfall sollen du auflesen»?
Jürg Fischer

Herumgeisternde

«In der Nacht auf gestern kam es in Geuensee LU zu einem Streit mit einem Toten und sechs Verletzten.» Für «20 Minuten» war wieder die untote Leser:innenreportertruppe vor Ort.
Karin Hoffsten

Selbstreferenzielle

«‹Der Desinformation über Corona ist nicht totzubekommen›, klagte Moderator Arthur Honegger. Auch SRF selber könnte seriöser sein», stand im «Infosperber». Danke, gleichfalls!
Karin Hoffsten

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