Nr. 42/2021 vom 21.10.2021

Von Karin HoffstenMail an Autor:in und Jürg Fischer

Opferbereite

Im Vorfeld des Olma-Schwinget zitierte das «St. Galler Tagblatt» einen Landwirt: «Der Schwingclub versucht jeweils, die Lebendpreise aus den eigenen Reihen zu besorgen.» Wir verneigen uns vor der inneren Grösse jener Schwinger, die sich als Trophäe zur Verfügung stellen, verstehen jetzt aber auch, weshalb das Ereignis nur alle drei Jahre stattfindet.
Karin Hoffsten

Abschüssige

Den Brexitgegner Steve Bray, der seit fünf Jahren unermüdlich vor dem britischen Parlamentsgebäude demonstriert, mache es «manchmal stotzig», dass die Umfragewerte von Boris Johnsons Regierung trotz massiver Probleme nicht tiefer seien, schrieb die gleiche Zeitung. Uns hingegen macht stutzig, dass uns da jemand ein O für ein U vormachen will – der Mann ist doch kein Wanderweg.
Karin Hoffsten

Harte

Und da aller guten Dinge drei sind, verlieh das «St. Galler Tagblatt» auch noch einem Leserinnenfoto, das zarte Nebelschleier vor der Sonne zeigt, den Titel: «Ziehst im Nebelfloor daher». In Anlehnung an Majestix’ frommen Wunsch hoffen wir, dass uns dieser Fussboden nicht auf den Kopf fallen möge.
Karin Hoffsten

Dauerhafte

Die NZZ berichtete über Ridley Scotts neustes Werk: «Mit ‹The Last Duel› hat Scott nun also eine Art #MeToo-Film gedreht, einen wohlgemerkt, der in den 1980er Jahren des 14. Jahrhunderts spielt», kombiniert mit der Bildlegende: «Marguerite de Carrouges (Jodie Comer) kann ihre Anklage nach 700 Jahren nochmals vorbringen.» Unter Kenner:innen galt das 14. Jahrhundert ja schon immer als ebenso fortschrittlich wie lang.
Karin Hoffsten

Weitgereiste

«Demnach sind geimpfte Flüge ab dem 19. Oktober auch von und nach Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Spanien, Grossbritannien, Kanada und den USA möglich, und ab Mitte November von und nach Südkorea», weiss watson.ch. Nicht dass wir grundsätzlich skeptisch wären, aber uns wären getestete Flüge lieber.
Jürg Fischer

Fälschungssichere

Als «20 Minuten» titelte: «Swisscom-Tochter fakt Google-Bewertungen» dachten wir, das ist aber gruusig und auch gruusig ausgedrückt. Nach einer kleinen Recherche stellen wir fest: Gruusig ist die Fakerei. Aber es heisst tatsächlich: Ich fake, du fakst, er/sie/es fakt. So sagt es der Duden. Gefallen will es uns aber immer noch nicht.
Jürg Fischer

Handelsregistrierte

«Die Aktiengesellschaft Château Gütsch Management hat seinen Namen angepasst und seinen Sitz nach Zug verlegt», meldet zentralplus.ch. Und da es grad im Gleichen ging, nahm man auch eine Geschlechtsanpassung vor.
Jürg Fischer

Leichtsprachliche

Wie reagieren Printmedien auf die Papierknappheit? Sie sparen. Mit gutem Beispiel voran gehen die Tamedia-Blätter. Täglich gibt es Muster wie die englischen «Parlamentar» oder das Land «Spaien», wobei man den Ersten nicht einmal vorhalten kann, sie seien gendermässig fixiert. Bloss beim Satz «Die Tübinger verwendeten für ihr Mittel Uridin, während Moderna und Biontech das modifizierte Pseudourin einsetzten» wissen wir nicht, ob wir uns ekeln sollen; in die Hose ging er aber schon.
Jürg Fischer

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