Palantir vs. Republik: Reputationsrisiko Recherche
Kaum ein Unternehmen verkörpert den Arschlochkapitalismus in der Techausprägung des Silicon Valley derzeit so passgenau wie Palantir. Schon der Name ist Programm: Er stammt aus J. R. R. Tolkiens «Herr der Ringe» und bezeichnet eine magische Kristallkugel, mit der der Bösewicht die Gedanken seiner Gegner ausspäht. Entsprechend hat sich Palantir auf Software für Militär, Geheimdienste und Polizei spezialisiert. Wie treffend also, dass nun ausgerechnet dieser 300-Milliarden-Dollar-Konzern, einer der Weltmarktführer im digitalen Rüstungsbereich, das kleine, unabhängige Schweizer Medienhaus «Republik» verklagt.
Der von den Techmilliardären und Trump-Unterstützern Peter Thiel und Alex Karp geprägte Konzern macht regelmässig Schlagzeilen. In den USA setzt die Einwanderungsbehörde ICE auf seine KI-gestützten Produkte, die israelische Armee verwendet sie im Gazakrieg, der britische Gesundheitsdienst NHS arbeitet seit Corona mit Palantir-Tools. Auch das Schweizer Medienhaus Ringier pflegt eine enge Partnerschaft mit Palantir, das eine Niederlassung in Zürich unterhält.
Anfang Dezember veröffentlichte nun also die «Republik» gemeinsam mit dem Recherchekollektiv WAV eine zweiteilige Recherche, die zeigt, wie Palantir über sieben Jahre lang versucht hat, mit den Schweizer Bundesbehörden ins Geschäft zu kommen – ohne Erfolg. Unter den öffentlich gemachten Akten befindet sich auch ein Bericht des Armeestabs: Nach einer Evaluation riet er von einer Nutzung der Software ab. Das Risiko eines möglichen Datenabflusses an die US-Regierung sei zu hoch, ebenso das Reputationsrisiko.
Die Sache wurde von internationalen Medien aufgegriffen – und das empfand Palantir offenbar als geschäftsschädigend und somit als gar nicht lustig. Der Konzern reagierte prompt: zunächst mit dem Vorwurf falscher Tatsachenbehauptungen und schliesslich mit der Forderung nach einer Gegendarstellung. Nachdem die «Republik» diese zurückgewiesen hatte, reichte der Konzern Ende Januar Klage beim Zürcher Handelsgericht ein. Das Urteil wird in einigen Wochen erwartet.