Pestizide : Doch Rösti fährt unbeirrt weiter
Wer Bundesrat Albert Rösti im Parlament zuschaut und -hört, muss sich immer wieder selbst daran erinnern: Dieser Mann ist nicht (Land-)Wirtschaftsminister. Er wäre für die Umwelt zuständig.
So auch am Montagabend, als der Nationalrat über Pestizide debattierte. Die SRF-«Rundschau» hat im Februar aufgedeckt, dass Rösti und das ihm unterstellte Bundesamt für Umwelt (Bafu) den Bauernverband gefragt hatten, welche Pestizide für die Landwirtschaft unverzichtbar seien. Für die vier vom Verbandsvertreter genannten Mittel, darunter das hochgiftige Deltamethrin, legt der Bund deshalb keine Grenzwerte fest.
Dieses Vorgehen brachte dem Bafu einen scharfen Brief vom Bundesamt für Justiz ein. Doch Rösti fährt unbeirrt weiter und liess sich auch diese Woche im Parlament keinen Millimeter von seinem Kurs abbringen.
Der Pflanzenbau ist extrem unter Druck, da hat Rösti recht: Unberechenbares Wetter, neue Krankheiten und Schadinsekten führen zu krassen Ausfällen. Die Landwirt:innen dürfen damit nicht alleingelassen werden. Im Gegenteil: Dringlich wäre ein Aktionsplan, so gewichtig und teuer wie die UBS-Rettung oder die Covid-Massnahmen. Grössere Abstände von konventionellen Feldern zu Gewässern und ein flächendeckendes Netz von Hecken wären erste Schutzmassnahmen, die Erforschung biologischer Pflanzenschutzmethoden bräuchte ein Vielfaches an Mitteln, Food Waste müsste viel konsequenter bekämpft werden, mehr Ackerfläche für die direkte menschliche Ernährung statt für Tierfutter würde die Kalorienmenge des Ertrags steigern, auch wenn ein Teil der Ernte ausfällt. Nötig wäre in etwa, was die Ernährungsinitiative fordert, die dieses Jahr an die Urne kommt (siehe WOZ Nr. 6/26). Wer ihre Forderungen für unrealistisch hält, sollte sich fragen, ob die dauerhafte Vergiftung der Lebensgrundlagen denn realistisch ist.
Vor vierzig Jahren hielten es auch viele für alternativlos, Klärschlamm als Dünger auszubringen. Damit gelangten hochgiftige «Ewigkeitschemikalien» (PFAS) in die Böden – das Ausmass des Desasters steigt mit jeder neuen Messung. Diese Warnung hat man nicht verstanden.