Timmermahn (1942–2026): Gotthelfisch subversiv
«Du, Vati?» – «Ja, Walterli?»
So beginnen stets die kurzen Dialoge, die der soeben verstorbene Berner Künstler Timmermahn Ende der neunziger Jahre auf drei Alben mit dem Titel «Bubenfersen» aufgenommen hat.
Zu hören in diesen schrulligen Minihörspielen ist nur er selber. Mit nasaler, hoher Stimme und leichtem Singsang spricht er die Stimme des Sohns Walterli, der seinem Vati auf den ersten Blick banale Fragen stellt. «Verdiene eigetlich d Musikante o Gäld mit Musigmache?», will er zum Beispiel wissen. Vati antwortet darauf mit seiner tiefen Stimme, in altbacken anmutendem Berndeutsch mit farbigen Wortkreationen, stets (lebens)weise und geduldig.
Als ich 2000 von Kleinbasel nach Bern zog, waren es Timmermahn und sein Walterli, die mir diese auf mich seltsam verschlossen wirkende Stadt und ihre Bewohner:innen näherbrachten: In der Gross-WG in der Altstadt, in der ich bald rege ein und aus ging, liefen die Walterli-CDs des vielseitigen Künstlers, Autors und Theatermachers Timmermahn in Dauerschlaufe.
Wir hörten die Hörspiele gemeinsam in der Stube, kugelten uns vor Lachen, imitierten bald schon erstaunlich treffsicher Walterli und seinen Vati und machten WG-Ausflüge zu Walterli-Aufführungen mit Timmermahn als Vati und Ursula Stäubli als Walterli.
Nicht alle der Kurzstücke sind gleich gut gealtert, doch immer noch bestechen viele mit ihrer gotthelfschen Bodenständigkeit, gepaart mit subversivem Witz und einer anarchistischen Heiterkeit – eine Mischung, die, wie ich bald merkte, auch die Berner:innen auszeichnet. Irgendwann verlor ich Timmermahn und sein Schaffen aus den Augen: Er machte weiter, trat mit Los Hobos auf, malte, schrieb Theaterstücke – zuletzt den Schwank «Jenseits», der von Tod und Gebrechen handelt und der, nachdem ihn die Theatergruppe Vorort letztes Jahr aufgeführt hat, dieser Tage nochmals in der Heiteren Fahne in Bern zu sehen ist.
Musikanten, so antwortet übrigens der Vati, verdienten durchaus etwas: «We si toll heusche, scho.» Aber: «E rächte Musikant mues o wärche wie angeri Lüt o – vo nüt chunt nüt, isch doch logisch.» Und, bauernschlau, erläutert er dem Walterli, mit welchem Trick die Musikanten nicht mit Auftritten, sondern mit blossem Üben – «Üebe isch ganz, ganz öppis Wichtigs, gäll, Bueb» – auf ein «ganz passables Sümmli» kommen.