Zur neuen WOZ (2): In guter Gesellschaft
Die WOZ erhält ein neues Ressort. Und eine Titelgeschichte.
Die roten Plüschsessel waren bereits weggeräumt, der Saal des früheren Kinos Alba am Zürcher Central wartete auf eine neue Bestimmung. Das Ambiente im Übergang passte ganz gut zur Situation der WOZ, als wir uns hier mit der ganzen Belegschaft am 4. Juli 2024 trafen, um die ersten Pläne für einen Relaunch zu schmieden. Denn zuerst – darüber haben wir letzte Woche an dieser Stelle bereits berichtet – bringt ein Relaunch eine neue Gestaltung mit sich. Mehr noch bietet er aber die Möglichkeit, sich auf neues publizistisches Werkzeug in einer politisch wahrlich turbulenten Gegenwart zu verständigen.
Im Gegensatz zu den meisten Medienkonzernen sparten wir uns an der Tagung im «Alba» die Honorare für externe Wirtschaftsprüfer:innen – und luden stattdessen für die Inspiration drei ausgefuchste Journalist:innen für Referate ein: Nelli Tügel von der deutschen Zeitschrift «Analyse und Kritik», Gieri Cavelty, früherer Chefredaktor beim «SonntagsBlick», sowie Leo Helfenberger, Mitglied der Chefredaktion des Onlineportals «Watson», berichteten über Chancen und Herausforderungen für die linke Publizistik, die Bedeutung von Wochentiteln für die Politikberichterstattung in der Schweiz und über die neusten digitalen Trends.
Die Erkenntnisse diskutierten wir im Verlauf des Jahres regelmässig an «Stammtischen» weiter. Eine Frage drehte sich dabei darum, wie wir unsere Themen, Anliegen und Ideen noch besser in die politischen Debatten tragen können. Wir verständigten uns darauf, dass die WOZ zu diesem Zweck künftig über ein Titelthema verfügen soll, das auf mehreren Seiten stattfindet. Eine weitere Frage, die uns umtrieb: Wie erreichen wir Leser:innen, die sich angesichts der Berichte über Krisen und Kriege ohnmächtig fühlen – und deshalb Nachrichten zunehmend aus dem Weg gehen? Auf der Suche nach einer Antwort entstand ein neues Ressort.
Zusätzlich zu «Politik» und «Kultur» wird die WOZ künftig über einen Gesellschaftsteil verfügen. Dort sollen Berichte aus Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Erziehung, Sexualität, Konsum, Ökologie oder Naturwissenschaften mehr Raum als bisher finden. Das Ressort fragt nach dem Politischen im Alltäglichen und sucht Ideen für ein besseres Zusammenleben. Im besten Sinn möchte es auch den schönen alten linken Begriff der Gesellschaft fern von Lifestyle und Selbstverwirklichung neu besetzen. Wie sagte doch die neoliberale Vordenkerin Margaret Thatcher? «There’s no such thing as society.» Dann wird sie ja wohl erst recht irgendwo zu finden, zu beschreiben und zu gestalten sein, diese Gesellschaft – in der WOZ künftig auf den letzten Seiten der Zeitung.
Der Kulturteil beginnt dafür neu auf der prominenten Auftaktseite des zweiten Bundes, was dem Ressort mehr gestalterische Möglichkeiten eröffnet. Und den Politikteil eröffnet künftig die Rubrik «Vorort», mit der wir uns wöchentlich mitten ins aktuelle Getümmel stürzen wollen. Wie sich alles zusammenfügt, können Sie voraussichtlich am 23. April sehen. Bis dahin produzieren wir neben den regulären Ausgaben im Hintergrund fleissig sogenannte Nullnummern.
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