Benin-Bronzen: Eine wegweisende Einigung

Nr. 13 –

Es geht auch anders als bei Bührle: Zürich und Genf geben einst von britischen Kolonialtruppen geraubte Benin-Objekte an Nigeria zurück.

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In einer bemerkenswert entspannten, fast heiteren Zeremonie wurden letzten Freitagabend im Zürcher Stadthaus die Eigentumsrechte an 28 Raubgutobjekten* aus dem einstigen Königreich Benin an Nigeria zurückgegeben. Die vor fünf Jahren gegründete Benin Initiative Schweiz – ein Zusammenschluss von acht Schweizer Museen und nigerianischen Partnern (siehe WOZ Nr. 50/24) – hat damit in auffallend kurzer Zeit ein Abkommen erreicht, das weltweit wegweisend sein könnte.

Wie alle Anwesenden – Museumsvertreterinnen, Politikerinnen, der Direktor der nigerianischen National Commission for Museums and Monuments, Gesandte des Königshauses von Benin – betonten, war der gegenseitige Austausch geprägt von Offenheit, einem kooperativen Geist, dem Wunsch, dazuzulernen. Aber auch vom geteilten Verständnis darüber, dass koloniale Gewalt und der Raub von Kulturgut – in beides war auch die Schweiz verstrickt – die betroffenen Länder und Gemeinschaften unwiderruflich und nachhaltig beschädigt haben.

Die Benin-Objekte sind ein immenser Schatz, der seit dem Raubzug britischer Kolonialtruppen 1897 in Museen, Privatsammlungen und Auktionshäusern auf der halben Welt verstreut ist. Dem Globalen Norden waren sie lange stolze Beute, teure Kunstwerke und museale Prunkstücke. Für die Beraubten sind sie kostbare Artefakte, aber auch kulturelles Gedächtnis und spirituelles Gut. Es geht um mehr als materielle Werte.

Keine Heilung

Insbesondere im deutschsprachigen Feuilleton wurde die letzten Jahre erbittert über solche Restitutionen gestritten. «Man» wisse ja gar nicht, an wen die Objekte am Ende zurückgehen würden, hiess es etwa. Und falls sie an die Nachfahren des alten Königshauses restituiert würden, bestehe die Gefahr, dass sie hinter Palastmauern verschwänden und nicht mehr öffentlich zugänglich wären. Ausserdem habe der Oba von Benin einst mit den Kolonialmächten Sklav:innenhandel betrieben.

Zu solchen paternalistischen Einschätzungen fand Esther Tisa, Koleiterin der Benin Initiative, im Interview mit der NZZ deutliche Worte: «Es ist nicht an uns, hier Ratschläge zu erteilen.» Bei Rückgaben gehe es auch nicht darum, «Geschichte ungeschehen zu machen», sondern sie «aufzuarbeiten». Eine solche Auseinandersetzung stehe nun auch in Nigeria bevor. Auf die schweizerische Museumspolitik blickte die Provenienzforscherin (selbst)kritisch zurück.

Die Schlussfolgerung scheint klar: Eine Eigentumsübertragung ist weder eine Heilung, noch besiegelt sie das Ende aller Diskussionen. Sie ist ein Schritt in die richtige Richtung. In einem SRF-Interview doppelte der Leiter der nigerianischen Museumsbehörde Olugbile Holloway nach: Sogar wenn es in Nigeria kein einziges öffentliches Museum gäbe, um die Benin-Bronzen und andere retournierte Objekte auszustellen, hätte Nigeria trotzdem immer noch das Recht, sie zurückzufordern. Was mit den Kunst- und Kultgegenständen dort geschehen soll, ist nun – zum ersten Mal seit weit über hundert Jahren – eine innerafrikanische Angelegenheit.

Wort gehalten

Diese vielstimmige mediale Berichterstattung wie auch der Anlass im Stadthaus und die dort gehaltenen Reden – etwa von der scheidenden Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch – machen Hoffnung für die Zukunft. Es zeigt sich hier nicht zuletzt, dass es auch anders geht als etwa in der verfahrenen Bührle-Angelegenheit. Voraussetzung dafür ist eine Anerkennung der eigenen Verstrickung, das Benennen des Unrechts und der begangenen Fehler. Ebenso wichtig ist, dass Verlautbarungen konkrete Taten folgen. Vonseiten der nigerianischen Delegation fiel denn auch der denkwürdige Satz: «Die Schweiz hat Wort gehalten.»

Das geschaffene gute Einvernehmen und der spürbare gegenseitige Respekt haben auch zur Folge, dass einzelne Benin-Objekte trotz überschriebener Eigentumsrechte weiterhin in der Schweiz ausgestellt bleiben werden. Die restituierten Artefakte stammen aus dem Zürcher Museum Rietberg, dem Völkerkundemuseum Zürich sowie dem Musée d’ethnographie in Genf. Die meisten von ihnen werden bald in Nigeria – etwa im National Museum in Lagos – öffentlich gezeigt werden. Für weitere Objekte in Schweizer Museen (in Basel, Bern, Burgdorf, Neuchâtel und St. Gallen) steht eine Rückgabe noch bevor.

* Korrigenda vom 26. März 2026: In der Printversion sowie in der alten Onlineversion war fälschlicherweise von vierzehn zurückgegebenen Objekten die Rede. Tatsächlich waren es insgesamt 28.