Die neue WOZ (4): Der Logostreit

Nr. 14 –

Die WOZ kann auf eine lange Geschichte von Auseinandersetzungen zurückblicken. Der grösste Konflikt beim aktuellen Relaunch kam aber unerwartet.

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Ausschnitt aus dem neuen WOZ-Logo

In den letzten drei Ausgaben haben wir darüber informiert, wie die neue WOZ aussehen soll: Sie erhält eine Titelgeschichte und einen Gesellschaftsteil, neue Kolumnen, Rubriken und – dürfen wir heute vermelden – auch ein neues Logo! Nun denken Sie vermutlich: Schön und recht, aber das ist jetzt auch nicht das Allerwichtigste. Das haben wir anfänglich auch gedacht. Bis der Logostreit ausbrach.

Von aussen betrachtet könnte man vielleicht annehmen, dass auf der WOZ wöchentlich grosse Richtungsstreitigkeiten über die politischen Fragen der Gegenwart und den ewigen Widerspruch von Revolution und Reformismus ausgefochten werden. Tatsächlich laufen die redaktionellen Diskussionen meist recht gesittet ab, was wohl vor allem auch damit zu tun hat, dass wöchentlich eine neue Zeitung erscheinen muss. Der vielzitierte Kurs der Zeitung ergibt sich am Ende aus vielen Ruderschlägen, um im Bild zu bleiben.

Was aber nicht heisst, dass bisweilen nicht an unerwarteten Orten Konflikte ausbrechen können. So geschah es im Relaunchprozess beim Logo. An sich war es ja eine ausgemachte Sache: Mit jedem neuen Layout hat die WOZ bisher ein neues Logo erhalten. Bloss: War das früher primär ein Zeitungskopf, so muss das Logo heute auf allen Kanälen funktionieren, von der Printzeitung über die App bis zu Tiktok. Also entwarfen unsere Grafikpartner:innen Martin Stoecklin und Melina Wilson vom Studio «A Language» geduldig einen Entwurf um den anderen, es gab geschwungene und gezackte Logos, klassische und verspielte, nostalgische («Reporter-Romantik») und furchteinflössende («Auge des Sauron»).

Dabei kamen die Grafiker:innen auch dem eigentlichen Problem der WOZ auf den Grund: Das Logo enthält die beiden zackigsten und in der Mitte den rundesten Buchstaben des Alphabets. Wie bloss soll man die typografisch kombinieren? Politisch könnte man natürlich auch sagen: Widerborstig nach aussen, solidarisch im Herzen, das ist die WOZ. Wie auch immer, nach langen Diskussionen verständigten wir uns in grosser Einigkeit auf ein Logo namens «Bold». Mit dem schönen Ergebnis auch, darum gings wohl im Logostreit tiefgründig, dass nun der Verlag wie auch die Redaktion gemeinsam hinter dem neuen Layout stehen.

Unerwartete Konflikte wurden schon immer ausgefochten in der Geschichte der WOZ, legendär etwa war ein Computerstreit zur Einführung von Personal Computern. Welche Aufbrüche und Neuerungen es sonst noch gab, dieser Frage geht ab dieser Ausgabe unser Monatsinterview nach. Jede Woche wird ein früherer Redaktor, eine Redaktorin aus einem WOZ-Jahrzehnt berichten. Den Anfang macht auf Seite 14 dieser Ausgabe der Berner Urs Frieden. Er berichtet, wie er nach der Gründung der WOZ 1981 ihren «Recherche-Flügel» mit aufbaute und dabei, weil er eine sogenannte Gesamtverteidigungsübung der Armee publik machte, vor dem Untersuchungsrichter landete. Auch gut zu wissen, dass die NZZ einst der WOZ den Zutritt zum Bundeshaus vorzuenthalten versuchte.

Apropos Monatsinterview: Längst nicht alles wird neu ab dem 23. April 2026, vieles bleibt auch erhalten. So auch die beliebte Rubrik «Durch den Monat mit …», zu der wir regelmässig viel positives Feedback erhalten.

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