ÖV-Preise : Auch das noch
Das «Entlastungspaket» von Sparministerin Karin Keller-Sutter wird zur Dauerbelastung. Die Bahn bräuchte mehr, nicht weniger Geld, schliesslich sollen bis 2050 drei Millionen Reisende täglich den Zug nehmen, das ist fast eine Verdoppelung zu heute. Der Ausbau und der Unterhalt der Infrastruktur werden tendenziell teurer. Dennoch hat der Bund die Ausgaben für den öffentlichen Verkehr gekürzt – bis 2029 um fast 400 Millionen Franken, die Hälfte davon beim Fonds für Unterhalt und Ausbau der Bahninfrastruktur.
Jetzt werden die Reisenden zur Kasse gebeten: Am Dienstag hat die für die Tarife verantwortliche Alliance Swisspass einen Preisaufschlag um fast 4 Prozent per Ende 2026 angekündigt. Viel weiss man noch nicht über die Ausgestaltung der Tariferhöhungen, die Details sollen diesen Frühling bekannt gegeben werden. Letztes Mal, das war 2023, erhöhte die Alliance Swisspass die Tarife der 2. Klasse um 4,8, jene der 1. Klasse aber nur um 1,9 Prozent. Es ist noch abzuwarten, ob die Erhöhung dieses Mal wenigstens solidarischer ausfällt. Immerhin: Die Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien würden «gar nicht oder nur geringfügig teurer», heisst es in der Medienmitteilung.
Klar ist schon jetzt, dass die Preise für GA und Halbtax stärker steigen werden als jene für Einzelbillette; beim GA wird wohl die 4000-Franken-Grenze überschritten werden. Dadurch dürften die Verkäufe weiter sinken.
Denn das GA ist bereits jetzt unter Druck. Die Verkäufe sanken von einer halben Million im Jahr 2019 auf 423 000 im Jahr 2025, obwohl die Bevölkerung wuchs und die Zahl Reisender stieg. Grund dafür sei auch die Beliebtheit des Halbtax Plus, erklärte die Alliance Swisspass gegenüber dem «Tages-Anzeiger».
Der Trend in Richtung nutzungsabhängige Preise könnte damit beschleunigt werden – eine Entwicklung, die gerade die marktradikalen Kritiker:innen des GA entzücken dürfte. So fordern etwa Avenir Suisse oder Economiesuisse seit Jahren, dass das Abo teurer beziehungsweise am besten ganz abgeschafft werde und dass die SBB auf ein Mobility-Pricing-System umstellen sollten.