Sachbuch : Frieden schaffen, aber wie?
Den Krieg zu verlernen – eine Vision, die bereits vor mehr als 2500 Jahren von Propheten des jüdischen Volkes verkündet wurde. Die Wirklichkeit sieht anders aus, weshalb viele davon überzeugt sind, dass es schon immer Kriege gegeben hat und auch in Zukunft geben wird. Der erste Teil dieser Aussage trifft wohl nicht zu, denn erst seit der Mensch vor rund 15 000 Jahren sesshaft geworden ist, sind organisierte Auseinandersetzungen mit Waffengewalt um Ressourcen und Vorherrschaft überliefert.
Und wie steht es mit der Prognose hinsichtlich künftiger Kriege? Herfried Münkler, meinungsstarker deutscher Politikwissenschaftler, bleibt skeptisch hinsichtlich der Vision einer Welt ohne Kriege – so wie er es schon in den achtziger Jahren war, zu Zeiten einer starken Friedensbewegung. Gleich zu Beginn des neuen Buches des Kultursoziologen Thomas Wagner geht es um die damalige Kontroverse, welche Wege aus der Gewalt beschritten werden könnten. Die Frage, ob Nationalstaaten notwendig seien, um Frieden zu stiften – wie Münkler meint –, werde sogar von einem konservativen Historiker wie Michael Wolffsohn negativ beantwortet, entgegnet Wagner.
Auf der Suche nach neuen Wegen greift Wagner auf historische wie aktuelle Erfahrungen von Gesellschaften ohne Staat zurück, um daraus «Bausteine für einen neuen Realismus» zu formen. Realistisch zu sein, bedeutet, nicht auf die Abschaffung des Staates zu setzen, sondern einen Prozess zu initiieren, der dem Staat seinen autoritären und gewaltgeprägten Charakter nimmt. Wagner setzt sich insbesondere mit basisdemokratischen Versuchen am Horn von Afrika sowie in Rojava auseinander, die mittlerweile beide unter immensen Druck geraten sind.
So bleibt vor allem der Appell, wir müssten uns von der Vorstellung verabschieden, «robuste Nationalstaaten seien ein verlässlicher Friedensgarant». Und die Notwendigkeit neuer Versuche, Alternativen zu politischer Gewalt zu entwickeln.