Benzinmangel in Ostafrika : Tägliches Tanken

Nr. 15 –

Als Folge steigender Energiepreise und blockierter Handelsrouten steigt die Inflation überall an, die Treibstoffreserven werden knapp. Besonders betroffen sind die Teebäuer:innen in Kenia.

An den Tankstellen in Ugandas Hauptstadt Kampala herrscht Hochbetrieb, denn die Menschen befürchten, dass aufgrund des Krieges im Nahen Osten bald der Sprit knapp wird. Fast täglich steigen die Preise, deswegen gehen viele Auto- und Taxifahrer:innen immer häufiger tanken.

«Bitte volltanken», sagt Daniel Katureebe, der mit seinem Auto an die Zapfsäule ranfährt. Er blickt prüfend auf die Anzeige seiner Konsole. Eigentlich ist der Tank noch zu drei Vierteln voll. Aber: «Man weiss ja nie, wann die Preise ins Unermessliche steigen.» 5299 ugandische Schilling kostet ein Liter bleifreies Benzin derzeit, umgerechnet 1.13 Franken. Zum Vergleich: Vor Beginn des Krieges gegen den Iran lag der Preis bei 5000 Schilling. Trotz Waffenstillstand ist er noch wieder gesunken.

Steigende Transportkosten

Die Bewohner:innen Ugandas haben mit steigenden Benzinpreisen zu Coronazeiten schlechte Erfahrungen gemacht. 2021 waren diese in kurzer Zeit enorm in die Höhe geschnellt: von rund 3500 Schilling auf bis zu 6000 Schilling, umgerechnet 1.30 Franken. Nach der Pandemie sind die Preise aber nur minimal zurückgegangen. Deswegen herrscht nun wegen der Verknappung von Öl und Gas auf dem Weltmarkt grosse Unsicherheit im Land. Für die Mehrheit der rund fünfzig Millionen Einwohner:innen, die täglich nur wenige Franken verdienen und damit ganze Grossfamilien satt bekommen müssen, können selbst minimale Preisanstiege verheerend sein.

Das ostafrikanische Land hat keinen direkten Zugang zum Indischen Ozean, weswegen sämtliche Importgüter per Lastwagen Tausende Kilometer vom Hafen im kenianischen Mombasa bis nach Uganda transportiert werden müssen. Daher bedeuten steigende Benzinpreise, dass automatisch alle Waren teurer werden: vom Sack Reis aus Pakistan über das Olivenöl aus Spanien bis zum Kühlschrank, der in China hergestellt wird. Selbst viele ugandische Lebensmittel und Waren müssen quer durchs Land transportiert werden und sind damit vom Preisanstieg betroffen.

Sollte die für die Treibstoffversorgung so zentrale Schiffspassage von Hormus noch länger nicht passierbar bleiben, könnten die Transportkosten von Mombasa nach Uganda um bis zu fünfzig Prozent ansteigen, sagt Peter Ochieng, Wirtschaftsanalyst und Marketingchef der Tankstellenkette Rubis.

Ugandas staatliche Ölgesellschaft Unoc beschwichtigt derweil; die Treibstoffreserven würden noch «bis Ende des Monats April ausreichen». Vor Panikkäufen wird ausdrücklich gewarnt, Ugandas Lieferkette sei «nicht von einer einzigen Region abhängig», so Unoc-Sprecher Tony Otoa. Man arbeite derzeit an alternativen Bezugsquellen und Transportrouten. Ugandas Energieministerin Ruth Nankabirwa Ssentamu sagt, Treibstofflieferungen, die bereits vor Beginn des Krieges gegen den Iran auf den Weg geschickt worden seien, befänden sich derzeit in Mombasa und würden nun nach Uganda geliefert.

Doch das Vertrauen der ugandischen Bevölkerung ist gering. «Vorsorge ist besser», betont auch Autofahrer Katureebe, der jeden Morgen seinen Tank füllt. Auch einen zweiten Gaszylinder für seinen Herd zu Hause hat er sich vor wenigen Tagen angeschafft. Da in Uganda regelmässig der Strom ausfällt, bevorzugt es die Mittelklasse, in ihren Küchen auf einem Gasherd zu kochen. In den vergangenen Tagen stieg der Preis für einen Gaszylinder bereits um rund einen Franken.

Ruanda setzt Preise fest

Im Nachbarland Ruanda sind die Preissteigerungen bereits viel deutlicher zu spüren. Das kleine Land liegt noch weiter im Inneren des afrikanischen Kontinents – die Strecken, die importierte Waren, darunter auch Treibstoff, vom Hafen in Kenia oder Tansania zurücklegen müssen, sind noch länger. Auch dort herrsche bereits täglich Stau an den Tankstellen, berichten Einwohner:innen der Hauptstadt Kigali. Gemäss der ruandischen Regulierungsbehörde Rura, die für die Strom-, Wasser- und Benzinversorgung des Landes zuständig ist, werden seit Montag die Treibstoffpreise sowie die Preise für den öffentlichen Nahverkehr staatlich festgesetzt. Ein Liter Benzin dürfe nun nicht mehr als umgerechnet 1.26 Franken kosten. Dies würde Spekulationen und überhöhte Preise unterbinden, so die Rura. Die Bevölkerung ruft sie auf, den «öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und unnötige Reisen zu vermeiden, um die Treibstoffknappheit nicht weiter anzuheizen».

Mit dieser Preisbremse sollen künstlich überteuerte Preise, wie sie etwa in Kenia der Fall sind, unterbunden werden. Die dortige Kriminalpolizei hat über das Osterwochenende eine Reihe von Verhaftungen vorgenommen. Unter den Festgenommenen sind auch hochrangige Beamt:innen aus den staatlichen Behörden, darunter aus dem Energieministerium.

Kenias Regierung ist durch eine Verordnung angehalten, stets siebzig Prozent des monatlichen landesweiten Treibstoffbedarfs als Vorrat zu lagern, um Engpässe zu vermeiden. Doch die jüngsten Angaben über die staatlichen Treibstoffreserven wurden manipuliert. Als Folge davon kaufte der Staat unnötigerweise überteuerte Treibstoffreserven dazu. Diese werden nun an den Tankstellen zu überhöhten Preisen angeboten, wie die polizeiliche Ermittlung ergab. Ein Kartell aus Treibstoffimporteuren habe die derzeitige Krise auf dem Weltmarkt gezielt ausgenutzt, um Profite zu generieren.

Kenias Teeexport stockt

Während Treibstoff weltweit Mangelware wird, bleiben Kenias Teebäuer:innen auf ihren Waren sitzen. In den Lagerhallen am Hafen in der Küstenstadt Mombasa stapeln sich die Säcke voller Teeblätter meterhoch. Das seien über acht Millionen Kilogramm Tee, sagt George Omuga, Vorsitzender des Verbands der ostafrikanischen Teehändler:innen. Zwanzig Prozent der kenianischen Teeexporte gehen normalerweise in den Iran, der derzeit nicht beliefert werden kann. «Unsere Abnehmer hatten bereits vor Kriegsbeginn bei den Exporteuren Tee bestellt, doch dieser konnte aufgrund der unterbrochenen Schifffahrtswege den Hafen von Mombasa nicht verlassen», erklärt Omuga. «In den letzten zwei bis drei Wochen haben wir insgesamt 24 Millionen US-Dollar an Exporterlösen verloren.» Wenn der Krieg weitere Wochen anhalte, könne dies zu einem «völligen Zusammenbruch» des kenianischen Teesektors führen.

Teeblätter sind mit sechzehn Prozent Anteil das Hauptexportprodukt des Landes. Laut Angaben des kenianischen Tee-Boards, in dem sich sämtliche Teebauern, Händlerinnen und Exporteur:innen registrieren müssen, machte der gesamte Teesektor Kenias im Jahr 2024 einen Umsatz von umgerechnet rund 1,4 Milliarden Franken. Rund sieben Millionen Menschen leben landesweit vom Teegeschäft, ein Grossteil davon Kleinbäuer:innen, die nicht viele Möglichkeiten haben, Verluste auszugleichen.