Die neue WOZ (5): «Sie kann erscheinen!»
Die Nervosität an der Hardturmstrasse 66 steigt. Eine kleine Umfrage.
Diese Woche haben sich unsere Korrespondent:innen aus Berlin, Kampala, New York oder Paris in einem Videocall zugeschaltet, um sich über die neue Gestaltung der WOZ zu informieren. Wie eine fahrende Lokomotive sehe das neue Logo aus, rief ein Kollege begeistert. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der neue Zug am 23. April auch in Bewegung setzt. Eine Umfrage im Betrieb zeigt: Die Nervosität steigt.
Als «basisdemokratisches Grundchaos» bezeichnet Anabel Keller die Arbeit an der neuen WOZ. «Aber ich finde, wir haben uns ganz gut geschlagen. Alle sitzen noch immer am gleichen Tisch, das ist doch schon eine Leistung.» Keller arbeitet seit sieben Jahren im Layout und ist beim Relaunch gemeinsam mit Kollegin Sarah Pia für die Übersetzung der neuen gestalterischen Ideen in die wöchentliche Zeitungsproduktion zuständig. Die beiden haben in den letzten Monaten mit bewundernswerter Ruhe stets die Übersicht über alle grossen und kleinen Arbeiten behalten. Und können also auch am besten beurteilen, wie es um die neue WOZ steht. «Sie kann erscheinen!», sagt Keller. «Besonders freue ich mich, dass wir künftig die einzelnen Artikel besser gewichten und Fotos vielfältiger einsetzen können.»
Im Betrieb macht sich auch leise Wehmut bemerkbar. «Ich habe das bisherige Layout von Helen Ebert sehr geschätzt», meint Redaktorin Bettina Dyttrich. Es hatte über die Rekordzeit von fast sechzehn Jahren Bestand. Dennoch kann sie dem Relaunch viel Positives abgewinnen. «Ich freue mich auf das neue Gesellschaftsressort, auf Texte aus dem Alltag, Reportagen, Porträts, Kulinarik.» Dyttrich wird künftig fürs Gesellschaftsressort und auch weiterhin fürs Politikressort schreiben. «Ich sehe es als grosse Herausforderung, möglichst vielfältig über Schweizer Politik zu berichten. Denn die Schweiz ist der politische Raum, auf den wir Einfluss nehmen können – als Redaktion, aber auch als Leser:innen.» Künftig wird im Politikteil nicht mehr zwischen Inland und International unterschieden, nach einer «Zauberformel» werden die Schweiz und die Welt aber weiterhin gleich viel Platz in der WOZ erhalten.
Die Vorfreude dominiert auch bei Florian Keller, vor allem auf den prominenten Auftakt, den die Kultur neu haben wird. Der Kulturredaktor hat den Relaunch gemeinsam mit Renato Beck geleitet, und beide freuen sich darauf, dass sie diesen Projektmanagerhut bald wieder ablegen dürfen. Seine Sicht sei daher wohl auch etwas technokratisch gefärbt, sagt Keller: «Für drei Sachzwänge, die man mit einem altgedienten Zeitungsdesign loswird, handelt man sich mit dem neuen mindestens wieder einen neuen ein.» Was er in der neuen WOZ vermissen wird? Das dürfe er an dieser Stelle noch nicht verraten. Aber es sei diesbezüglich wohl mit einigen Beschwerden von Leser:innen zu rechnen.
Diese gelangen jeweils zu Roman Stäheli, der am Desk für die Abonnent:innen zuständig ist. Dennoch blickt er dem Relaunch entspannt entgegen: «Der Umgangston unserer Leser:innen ist immer sehr freundlich.» Das neue Layout ist nach seiner Einschätzung auch kein Grund zur Abokündigung. «Im Gegenteil: Ich bin zuversichtlich, dass neben der Politik und der Kultur im Gesellschaftsteil neue Themen Platz finden.» Stäheli wird in den kommenden Wochen eine Aboaktion zur neuen WOZ betreuen. «Wir hoffen auf möglichst viel Arbeit.»
Wie Sie für uns Werbung machen können, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe – der letzten im alten Layout.
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