Oper : Alles schief und verstimmt

Nr. 15 –

Bühnenfoto der Oper «Monster’s Paradise»: zwei Personen auf einem Golfmobil, daneben eine Godzilla-Figur
«Monster’s Paradise». Musik: Olga Neuwirth. Libretto: Elfriede Jelinek. Regie: Tobias Kratzer. In: Zürich Opernhaus, Fr, 10. April 2026, 19 Uhr und So, 12. April 2026, 20 Uhr.

«Vielleicht ist das Vampirische, das Aussaugen, die Methode, sich von überall das zu holen, was man brauchen kann, charakteristisch für weibliche Kunst», sagte Elfriede Jelinek 1998 in einem Interview mit Olga Neuwirth in der Zeitschrift «profil». Diese Arbeitsweise hinterlässt auch bei der bereits fünften gemeinsamen Oper der österreichischen Komponistin und Siemens-Preisträgerin Neuwirth und der Literaturnobelpreis-Trägerin Jelinek Spuren.

«Monster’s Paradise», ihre noch zweimal in Zürich zu sehende Oper, ist ein Horrorspektakel. Während die Welt zu implodieren und den «Wärmetod» zu erleiden droht, regiert in «Monster’s Paradise» ein «König-Präsident» in einem goldigen Palast. In Anlehnung an das Skandalstück «Ubu roi» (1896) von Alfred Jarry, in dem die Macht zur Kenntlichmachung infantilisiert wurde, lebt der egozentrische «König-Präsident» hemmungslos seine Triebe aus. In der Riesenechse Gorgonzilla, die durch einen durch ihn initiierten Schaden in einem Kernkraftwerk gezeugt wurde, erwächst ihm ein machtgeiler Widersacher, der ihm zu guter Letzt den Kopf abreisst. Auch die Geister Vampi und Bampi bereisen die Szenerie; sie gleichen optisch den beiden Urheberinnen des Stücks und treten je nach Bedarf als Sängerinnen oder Schauspielerinnen auf. Ihre Warnungen verhallen wirkungslos.

Die zielstrebige Handlung ordnet der These von Regisseur Tobias Kratzer, «König-Präsident» gleich Donald Trump, alles unter. Die Musik überführt das Geschehen in eine permanente Schieflage, die vom virtuosen Jazzschlagzeuger Lucas Niggli, einer umgestimmten Gitarre und dem Orchester konzis vorwärtsgetrieben wird. Schauspieler:innen und Sänger:innen, auch ein Kinderchor, brillieren. Die Verstimmungen lösen sich selbst dann nicht auf, als die «Vampirinnen» sich zum Schluss per Video in die Unendlichkeit verabschieden, fliegend und vierhändig auf Jelineks verstimmtem Flügel eine Schubert-Sonate spielend. Das ist nicht nur als schräges Vergnügen gemeint.