Von oben herab : Uf Wiederluege!
Stefan Gärtner nimmt Abschied (mit Akzent)
D Statistig weiss, dass Froue vil hüfiger e Beziehig beände als Manne – und das passt eigentlech ganz guet zu mine Erfahrige. Mini Beziehig zur WOZ hört drum au uf ire Wunsch uf, und das bricht mer s Härz.
Und scho wieder die Frog: Was han i falsch gmacht? Han i überhaupt öppis falsch gmacht? Bin i nid alles gsi, wo me sich i ere Partnerschaft wünscht: luschtig, sexy, tröi und pünktlech? Bin i je z früeh fertig gsi, statt im Gägeteil immer genau richtig (Mäntig am drüü)? Han i nid zuverlässig de Nachrichtesaustall ufgruumt und de Müll us Press, Politik und Ziitgscheh abebracht?
Aber Tugend isch halt nid alles, das isch klar, und natürlech gaht me sich nach guet zäh Jahr au emol es bitzli uf d Nerve – zum Bispiel wenn en israelfründliche Satz us wichtige Gründ usem Text muess oder wenn i ja au nüt defür cha, dass Bundesröt wie en italienische Hartchäs heissed. Und trotzdem hämmer immer gwüsst, was mer aenand gha hend: D WOZ het mine bissige Witz gschätzt («Guy Parmesan»), und i han d mehrseitige Reportage über Bisexualität im Rägewald gschätzt. I han so vil über d Schwiiz glernt, dass i gwüsst han, dass mer a de Konfärenz es Mail verschickt, und di (linki) Schwiiz het erfahre, wie i wohne, wen i liebe und was i denke. Mit de WOZ bin i – zwar vermittlet, aber trotzdem spürbar – i de Schwiiz dihei gsi und han da s Allgemeine im ganz Bsundere gfunde; und d WOZ het erfahre, was sie eigentlech scho lang gwüsst het: dass de jeweilige nationale Blödsinn em allgemeine Blödsinn so ähnlech isch, wie s «System» (A. Büttner) das halt vorsieht.
Jetzt will d WOZ, acht Jahr jünger als i, no einisch neu afa, und natürlech wünsch i ihre Glück – sie isch immer guet gsi zu mir, eigentlech genau das, wo mer «e gueti Partie» nennt. Sie het guet usgseh, het Gäld gha, het sich guet agfühlt – au wenn sie jederzeit defür iigstange wär, dass es sexistisch isch, das überhaupt z denke. Mit minere Frau, nume es paar Monet nach de WOZ gebore, mach i immer de Witz (so e Phrase us de bunte Blätter karikiert), sie chönnt, wenn mi de Schlag trifft, «ja no mal durestarte». Und jetzt meldet mer min Huusarzt vorbildlichi Bluetwert, und es isch d WOZ, wo durstartet. Söll sie halt; de Rekord vom Peter Bichsel (58 412 Kolumne am Stück) muess i halt imene nächste Läbe breche.
Sogar mir fallts mängisch schwär, s richtige Wort z finde. «Nid truurig, dass es verbi, sondern dankbar, dass es gsi isch»? Vo wäge! I schäume vor Wut, bin truurig und i mim Selbstwertgefühl tüüf verletzt – i hätt ja jedi chönne ha, nid wahr (und ehrlich gseit: überhaupt nid wahr)! Aber mit em Ernst Jünger, WOZ-Abonnent vo de erschte Stund, gilt: «Nid d Schmerze vo dem Läbe, sondern sin Übermuet und sini Fülle bringed eus, wenn mer sich dra erinnere, de Träne nöch.» Und wie zart, wie unschuldig und voller Poesie üsi erschte Stund gsi sind! «Es ist durchaus ein geschichtlicher Vorteil, niemals einen Massenmord an Minderheiten verübt zu haben, man darf dann rechts wählen, ohne dass es einen Gout hat.» Oder vilicht doch lieber das: «Ein Land ist kein Unternehmen, und Unternehmensberater in der Politik sind ipso facto ein Unglück» (siehe WOZ Nr. 48/15). Und denn die schüüche Tippfehler («Guy Parmelin»)! Nei, i will d WOZ immer i gueter Erinnerig behalte. Und wenns ohni sie emol grau wird, denn erinnere i mi gern a mine Lieblingswitz – und de heisst nid «Guy Parmesan», sondern «Ruedi Wimder (Name geändert)».
Denn isch das jetzt also das gsi. Mir chönd ja, hm, Fründe bliibe. Vilicht schribt sie mer ja mal? Seit mer, wies ihr gaht (blendend), was ihr fehlt (zum Bispiel 10 000 guet bezahlti Zeiche zu irgendere Topdebatte)? Und wie anders chönnt i mi verabschiede als mit de Zile vo Patent Ochsner, wo i mer genau für so en Momänt ufgspahrt han: «Schad geit aus so schnäu verby / und geit wyter ohni di.»
Und ohni mi halt au. Uf Wiederluege!
Stefan Gärtner (BRD) war Redaktor bei der «Titanic» und ist heute Schriftsteller und «linksradikaler Satiriker» («Die Zeit»). An dieser Stelle hat er seit 2015 jede zweite Woche das Geschehen in der Schweiz unter die Lupe genommen. Kürzlich ist sein Roman «Hotel Drei Jahreszeiten» (Literaturverlage Droschl) erschienen.
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