Dokumentarfilm : Bitte kein Recycling
«Sie hat in Basel mehr Gebäude erhalten, als Herzog & de Meuron gebaut haben», sagt ein Weggefährte über sie, kurz nachdem er sich von ihr über den Fluss hat transportieren lassen. Immer wieder sieht man Barbara Buser im nach ihr benannten Dokumentarfilm als Fährfrau – auch auf dem gemalten Filmplakat steuert sie einen Weidling. Das Bild passt als Symbol für eine Frau, die in den verschiedensten Metiers immer wieder Pionierarbeit geleistet hat.
Auch der Vergleich mit den berühmten Basler Architekten ist auf seine Art stimmig: Buser hat ursprünglich Architektur studiert und das Baubüro Mitte (heute: in situ) mitbegründet, das sich, wie Mitgründer Eric Honegger im Film sagt, «zum Ziel gesetzt hat, nicht zu bauen – was für einen Architekten natürlich etwas blöd ist». Stattdessen schicken sie Bauteiljäger:innen los, die Material aus Abbruchliegenschaften retten, um es in alten Industriegebäuden für den Umbau wiederzuverwenden.
«Unverändert», das ist Buser wichtig. Denn mit Recycling hat ihre Idee des nachhaltigen Bauens nichts zu tun: «Recycling bedeutet Zerstören, Kleinmachen, Neuzusammensetzen, mit viel Gewalt und Energie – so ein Männerding halt.» Wiederverwenden hingegen bedeute Erhalten, Wertschätzen, Sorgetragen, sie spricht vom Prinzip der «Caring Economy». Verinnerlicht hat sie es seit den Jahren nach dem Studium, als sie im Südsudan und in Tansania gemeinsam mit der Lokalbevölkerung an Entwicklungsprojekten gearbeitet und sich von ihnen in deren Sprache und handwerkliches Wissen hat einführen lassen. Jetzt sieht man sie einen Fensterrahmen ihres Reihenhäuschens aus dem 19. Jahrhundert neu isolieren oder im Garten die Spreu von Schwarzsenfsamen trennen.
So organisch und unangestrengt hat sich das Konzept der Kreislaufwirtschaft selten präsentiert wie in der Person von Buser, die auch eine begnadete Netzwerkerin ist. Selbst wenn sie mittlerweile über siebzig ist: Ihr Rad hat noch immer viel Schwung, wie das inspirierende Filmporträt von Gabriele Schärer zeigt.