Ausstellung : Designer auf der Alpwiese
Design soll immer auch dazu dienen, das Leben der Menschen zu erleichtern – was aber oft auf Kosten anderer Spezies und komplexer Lebensräume geschieht. Die Ausstellung «More than Human – Design mit der Natur» im Zürcher Museum für Gestaltung zeigt rund vierzig Werke aus Kunst, Architektur, Forschung und Design, die einen Paradigmenwechsel in der Designwelt anstossen wollen.
Praktische Ansätze findet man hier nur vereinzelt. Besucher:innen sollen vielmehr lernen, sich (wieder) als Teil der Landschaft wahrzunehmen. Etwa bei einem Fotoprojekt des Designers Thomas Thwaites, der sich künstliche Hufe anschnallt, um sich von Ziegen auf einer Alpwiese als «GoatMan» beschnuppern zu lassen.
César Rodríguez-Garavito wiederum, Jurist und Experte für Umweltforschung, zeigt in einem Wandbild Flüsse, die als juristische Personen anerkannt worden sind. Die Rechte der Menschen sind direkt verknüpft mit Rechten, die die Existenz von Tieren und der ganzen Natur sichern – ohne sie kein Wir.
Wie lassen sich diese Erkenntnisse im Design anwenden? Ein «mehr als menschliches Design» kann Kontakt zu anderen Lebewesen aufnehmen, wie der japanische Künstler Shimabuku zeigt, wenn er mit eigens angefertigten Glasmurmeln spielerisch die farblichen Vorlieben eines Oktopus erkundet. Design kann aber auch Verantwortung übernehmen: So hat Kate Orff einen speziellen Film für Glasflächen entwickelt – für Vogelaugen sichtbar, für Menschen nicht –, um so die häufig tödlich endenden Kollisionen zu verhindern, wenn Vögel gegen Glasscheiben prallen.
Der spanische Architekt Andrés Jaque wiederum baut aus pulverisiertem Kork und Harz eine rosenförmige Fassade, die der Isolierung des Gebäudes dient und mit ihren Nischen und tiefen Spalten zugleich Lebensraum für Pflanzen und Tiere bietet.
In einer Vitrine voller Nester aus dem Naturhistorischen Museum Zürich sticht ein kugelrundes, winziges Kolibrinest ins Auge, aus feinsten Samen mit Flughaaren. Perfekt auf seine Bedürfnisse abgestimmt, erinnert es daran, dass wir Menschen nicht die einzigen und auch nicht die ersten Designer:innen der Natur sind. ●
▶ «More than Human – Design mit der Natur» in: Zürich Museum für Gestaltung, bis 31. Mai 2026.