Aus der Küche des Wahnsinns : Animalische Hierarchien
Karin Hoffsten über die Geheimnisse von klassifizierender Tierliebe
Wer jemals einem herzigen Nerz oder dem arktischen Fuchs ins unschuldige Auge geblickt hat, kann doch gar nicht anders, als einem «Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelze und Pelzprodukte» zuzustimmen. Könnte man meinen. Doch einigen Parlamentarier:innen geht das Verbot, das der Bundesrat nächstes Jahr einführen will, zu weit. Vermutlich sind es dieselben, die gegen ein Importverbot für Stopf- oder Quälleber sind. Doch beim rechtsbürgerlichen Teil unseres Parlaments wundert eine:n ja schon lange nichts mehr.
Umso grösser ist die Überraschung, ausnahmsweise mal mit einer SVPlerin einer Meinung zu sein. Denn wie der «Tages-Anzeiger» berichtete, setzt sich auch SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel gegen eine vorauseilende Aufweichung des geplanten Verbots ein.
Den gequälten Pelztierchen wird ja überhaupt viel Geduld abverlangt, entsprechende Kampagnen laufen seit rund vierzig Jahren. Einst liessen sich sogar Promis «lieber nackt als im Pelz» fotografieren. Ob Frau Fehr Düsel den Nationalratssaal für ihr Engagement nackt betreten würde, weiss ich aber nicht.
Des Menschen Verhältnis zum Tier ist und bleibt ein Mysterium. Die bekanntesten Gründe, weshalb bestimmte Tiere den menschlichen Schutzreflex mehr aktivieren als andere, sind Streichelbarkeit und Kindchenschema ums Schnäuzchen, was die Beliebtheit von jungen Katzen und Hunden zeigt. Aber damit lässt sich das, was sich grade um den bedauernswerten Buckelwal in der Ostsee abspielte, nicht erklären. Mit Massen von 12,35 mal 3,20 mal 1,60 Metern kann von Kindchenschema kaum die Rede sein, und der Name Timmy passt meines Erachtens eher zu einem freundlichen Hausschwein. Aber das ist Geschmackssache.
Andere nannten den Meeressäuger Hope, weil sie anscheinend mit dessen Überleben die Hoffnung auf eine bessere Welt verknüpften. Was sie nicht daran hinderte, jenen Menschen, die dem Wal einen artgerechten Tod gegönnt hätten, Gewalt anzudrohen.
Und da beginnt das, was ich nicht verstehe. Millionen von sogenannten Nutztieren werden unter grausamsten Bedingungen gehalten und getötet, um verspeist zu werden. Und Hunderttausende Wale und andere Meerestiere sterben jährlich qualvoll in Fangnetzen. Hier zu sagen: «Das interessiert wieder kein Schwein», scheint mir unpassend, denn gerade Schweine dürften sich angesprochen fühlen.
Im Übrigen sind ja auch die Menschen Tiere und hätten Schutz verdient. Doch dazu ein anderes Mal. ●
Den vom einschlägigen Marketing kreierten Ausdruck «Flexitarierin» findet Karin Hoffsten peinlich, obwohl sie eine ist.