Wahlen in Grossbritannien : Linke Hoffnungen

Nr. 20 –

Die Lokal- und Regionalwahlen waren genau das Fiasko für Labour, das man seit Monaten erwartet hatte. In England verlor die Regierungspartei fast 1500 Sitze, in Wales kam ihre hundertjährige Vorherrschaft zu einem abrupten Ende. Ein grinsender Nigel Farage präsentierte sich als grosser Wahlsieger, er sprach von einer «historischen Verschiebung» in der britischen Politik.

Tatsächlich legte seine rechtsradikale Partei Reform UK in allen Landesteilen stark zu. Damit bekräftigt Farage seinen Anspruch, die nunmehr dominante politische Kraft im Land zu verkörpern. Das wird auch die rechte Strassenbewegung weiter stärken – eine klare Trennlinie zwischen Reform UK und den noch extremeren Aktivist:innen, die im September die grösste rechte Demo der britischen Geschichte organisierten, gibt es nicht. Für diesen Samstag ist ein weiterer Protest geplant.

Bei genauerem Hinsehen ist die Situation allerdings nicht ganz so düster. Noch vor wenigen Wochen hatte Reform UK mit viel mehr Sitzgewinnen gerechnet, und in den Lokalwahlen vor einem Jahr schnitt sie besser ab. Auch ist die Rechtspartei seit ihrem Umfragehoch Ende 2025, als sie bei deutlich über 30 Prozent lag, auf etwa 25 Prozent abgerutscht. Meinungsforscher:innen halten es für möglich, dass Reform UK den Höhepunkt ihrer Popularität bereits hinter sich hat.

Ebenso optimistisch stimmt aus linker Perspektive das Ergebnis der Grünen. Trotz heftiger medialer Attacken in der Woche vor dem Urnengang gewannen sie mehr als 400 Sitze dazu. In fünf Gemeinderäten stellen sie nunmehr die Mehrheit, in zwei Londoner Bezirken zudem die Bürgermeister:in: Zoë Garbett in Hackney (siehe WOZ Nr. 19/26) und Liam Shrivastava in Lewisham.

Wie und ob die Grünen ihre Sitzgewinne nutzen können, um ihre neue Rolle als linke Opposition zu stärken, wird sich zeigen – es wäre nicht das erste Mal, dass wahlpolitischer Erfolg zu einer Abstumpfung der rebellischen Instinkte führt. Für den Moment herrscht bei der Linken Erleichterung: Immerhin gibt es einige Hundert gewählte Vertreter:innen mehr, die sich dem Rechtsruck im Land entgegenstellen.