Frankreich : Blacklist bei Canal plus?
Ein offener Brief kritisiert den Einfluss des rechtsextremen Milliardärs Vincent Bolloré in der Filmindustrie. Nun drohen Sanktionen.
Saada, Chef von Canal plus. Tomas Stevens, Imago
Milliardäre sind eine Bedrohung für Demokratien: Ihre extreme Vermögensballung verschafft ihnen Möglichkeiten der politischen Einflussnahme, die den allermeisten verwehrt sind. Dazu kommt, dass man in dieser Vermögensklasse selten zu progressiven Positionen tendiert.
In Frankreich konkretisiert sich dieser Missstand besonders anschaulich in der Person Vincent Bollorés: Der Bretone verfügt über ein weitverzweigtes Medienimperium – Zeitungen, Literaturverlage, Radio- und Fernsehsender –, und er nutzt dieses, um eine rechtsextreme Agenda voranzutreiben.
Umso wichtiger, dagegen kollektiv Einspruch zu erheben, was im Fall Bolloré auch immer wieder geschieht. Für 600 in der französischen Filmindustrie tätige Personen könnte das jetzt aber Konsequenzen haben. Zum Start des Festivals in Cannes (vgl. «Nach dem Exil») hatten sie einen offenen Brief in der Zeitung «Libération» veröffentlicht, der Bollorés Einfluss in der Branche kritisiert. Es drohe eine «faschistische Inbesitznahme des kollektiven Imaginären», hiess es darin.
Zu den Unterzeichner:innen zählten unter anderem die Schauspieler:innen Juliette Binoche, Adèle Haenel und Swann Arlaud sowie die iranische Regisseurin Sepideh Farsi. Sie folgten damit einem Beispiel aus dem Literaturbetrieb: Wegen der Entlassung des Leiters des Verlags Grasset, der Bolloré zu unbequem war, hatten vor einigen Wochen mehr als hundert Autor:innen angekündigt, künftig anderswo zu veröffentlichen (siehe WOZ Nr. 18/26).
Anlass für den Brief war nun, dass sich der Medienkonzern Canal plus, der zu Bollorés Firmenimperium gehört und wichtigster privater Geldgeber bei französischen Filmproduktionen ist, Ende 2025 beim Kinounternehmen UGC eingekauft hat. UGC betreibt über fünfzig Kinos in Frankreich und Belgien. Hier ballt sich also tatsächlich viel Marktmacht. Und zwar so viel, dass man sich in der Chefetage dazu entschieden hat, die Intervention der Kreativen nicht einfach auszusitzen, sondern zurückzuschlagen. Canal-plus-Chef Maxime Saada verkündete, dass man mit denen, die den Aufruf unterzeichnet hätten, nicht mehr zusammenarbeiten werde. Sollte es wirklich so kommen, wäre das einschneidend für die Betroffenen – eben weil man in der Branche kaum an Canal plus vorbeikommt.
«Le Monde» sprach von einer «beispiellosen Vergeltungsmassnahme», die eine schwarze Liste in der Industrie etabliere. Für das Kollektiv «Zapper Bolloré», das den Brief initiiert hatte, ist die Reaktion Beleg dafür, wie wichtig es ist, das Wort gegen den Milliardär zu ergreifen. Clémence Guetté von der Linkspartei La France insoumise forderte derweil, ein Gesetz gegen die Medienkonzentration in Frankreich zu lancieren. Bei den derzeitigen politischen Kräfteverhältnissen muss Bolloré aber kaum befürchten, dass sein Imperium beschnitten werden könnte.
Immerhin: Aus Solidarität unterzeichneten laut «Zapper Bolloré» inzwischen Hunderte weitere Personen den offenen Brief. ●