Leser:innenbriefe
Niederschwelliger erreichbar
«Bildung und KI: Den Chatbot entzaubern», WOZ Nr. 18/26
Im Artikel zum Umgang der Schulen respektive PHs mit KI wird ein Thema zwar angeschnitten, aber aus meiner Sicht zu wenig thematisiert: Die assistiven Technologien, eine Alltäglichkeit aus heilpädagogischer Sicht, sind durch KI sehr viel niederschwelliger erreichbar und benutzbar geworden. Sei es die Vorlesefunktion (in Tablets und anderen mobilen Geräten oft schon vorhanden) oder der Einsatz textvereinfachender Prompts («Schreib mir den Text in einfacher Sprache»). Denn im Sinne der Bildung für alle wird hier ein grosser Arbeitsaufwand stark vereinfacht – mit dem Nachschub, dass selbstredend immer wieder kontrolliert werden muss, ob die Textvereinfachung den Text auch korrekt vereinfacht respektive nicht sinnentleert umgeschrieben hat.
Charles Grögli, Bern
Unbequeme Wahrheit
«Bührle-Komplex: Ausstellung ohne Ausgang», WOZ Nr. 18/26
Ich war heute im Museum für schöne Künste im belgischen Gent. Ich war verblüfft über die Sammlung: grossformatige Ölbilder, zum Beispiel die Darstellung einer Kriegsszene aus dem Ersten Weltkrieg, Schützengraben und Bombenrauch. Bauern, die durch die Industrialisierung ihr Hab und Gut verlieren, gepfändet werden, eine Arbeiterfamilie, die aus ihrer Wohnung gewiesen wird. In der Schweiz habe ich ähnliche Bilder nie gesehen. Es muss mit den Sammlern und Auftraggebern zu tun haben. Schnell war ich bei «meinem» Kunsthaus und der Bührle-Sammlung. Nach wie vor finde ich völlig daneben, dass die Nachfahren der Beraubten nicht korrekt behandelt wurden.
Aber, nun mein Umdenken: Bührle gehört zu Zürich, zur Zürcher und zur Schweizer Geschichte, ob mir das passt oder nicht. Ich will die Bilder nicht in Zürich behalten, weil sie so schön sind oder so viele Besuchende anlocken. Nein! Ich will die Bilder behalten, weil diese Sammlung so viel aussagt über Zürich und die Schweiz. Das Landesmuseum arbeitet die Mythen und schwarzen Flecken in unserer Geschichte auf – nun müsste auch das Kunsthaus uns mit unbequemen Wahrheiten konfrontieren.
Christina Dolderer, per E-Mail
Diplomatische Lösungen
«Sergei Loznitsa: Was bedeutet Patriotismus für Sie?», WOZ Nr. 18/26
Danke für das gute Interview mit Sergei Loznitsa. Seiner Aussage «Kriege passieren dann, wenn die Leute nicht schlau genug sind, um diplomatische Lösungen zu finden» widerspricht er, aus meiner Sicht, bei seiner folgenden Antwort: Auf die Frage, ob die ukrainische Führung Territorien an Russland abtreten solle, antwortet Herr Loznitsa, dass das das Problem nicht lösen würde – wegen Putin. Damit diffamiert er, wieder aus meiner Sicht, alle «schlauen» Menschen, die diplomatische Funktionen haben.
Nochmals meine Sicht: Diplomatie funktioniert bis dorthin, wo der Egoismus überhandnimmt. Und falls der etwas mit Schlauheit zu tun hat, würde ich gerne mal einen Artikel darüber in der WOZ lesen. Mit Übungen für Altruismus im Alltag.
Simon Mattmüller, Basel