Literatur : Das Beuteltier predigt die Rebellion
Das Känguru steht wieder bei Marc-Uwe auf der Matte und fläzt sich erst mal in dessen Hängematte. Aber Entspannung liegt nicht drin: Marc-Uwe soll einen neuen Band seiner «Känguru-Chroniken» schreiben, und das kommunistische Beuteltier plant den Aufstand. Wie nötig das in der Gegenwart der multiplen Krisen ist, führt das Känguru, das sich gerne in die Nähe von Jesus rückt, auch gleich mit seinen «Gleichnissen» vor.
Von Romanen über Comics bis zu Spielfilmen: Als kabarettistisches Duo sind Marc-Uwe Kling und sein Känguru längst etabliert. Band fünf nimmt nun die Mechanismen der Medien aufs Korn. Das Tier fragt sich, ob es einen Unterschied gibt zwischen Social-Media-Oligarchen und dem Vermieter, der das von seinem Mieter in der Wohnung hergestellte Crystal Meth weiterverkauft. Es fragt sich auch, wieso personalisierte Werbung, am Telefon undenkbar, im Netz selbstverständlich ist. Derweil Marc-Uwe ob der vielen Pushnachrichten verzweifelt – und sich diesen doch nicht entziehen kann aus Angst, die Zombieapokalypse zu verpassen.
In der Anlage etwas gar didaktisch, handelt der Roman viel Altbekanntes ab. Aber mit seinen originellen und handlichen Vergleichen leistet er eine gewisse Aufklärungsarbeit. Rebellieren heisst erst mal im Schneeballsystem Menschen dazu aufrufen, bis irgendwann alle dabei sind, so hofft das Känguru: «Wie bei Corona.» Und natürlich gehört zu einem handfesten Aufstand auch ein Podcast aus der Eckkneipe. Dabei droht die Rebellion vor lauter Reden fast zur Nebensache zu verkommen.
Ideen hätten Marc-Uwe und das Känguru jedenfalls genug. Wie wärs mit einer verordneten «Frührente für Staatslenker» oder einer regelmässigen «TÜV» für alle Parteien, einer «Totalen Überprüfung der Verfassungstreue»? Oder mit einem monatlichen «Digital Independence Day», um die eigenen Accounts von den Techgiganten abzuziehen? Der Roman ist nicht einfach satirische Gegenwartskritik, sondern dezidiert ein Aufruf, sich zu erheben – zusammen mit Marc-Uwe, dem Känguru und sogar dem einen CDU-Mitglied, das sie überzeugen können. ●
▶ Marc-Uwe Kling: «Die Känguru-Rebellion». Roman. Ullstein Verlag. Berlin 2026. 291 Seiten.