Mit Spatzen auf Kanonen : Kaninchen vor der Schlange
Im Halbfinal war Schluss für Veronica Fusaro. Doch mit ihrem Song «Alice» gewann die Thuner Sängerin laut SRF immerhin die Herzen vieler Fans am Eurovision Song Contest (ESC). Keine Herzen gewinnen konnten dagegen die österreichischen Moderator:innen Victoria Swarovski und Michael Ostrowski. Ihre Darbietung wurde in der internationalen Presse und in den sozialen Medien schonungslos verrissen.
Der grosse Verlierer, so die deutsche Zeitung «Die Welt», sei Österreich, was an diesem Moderationsduo gelegen habe, das auswendig gelernte Gags uninspiriert vorgetragen habe. Im Liveticker des englischen «Guardian» dankte man den beiden für ihren Einsatz, bat aber zugleich darum, sie nie wieder einen ESC moderieren sehen zu müssen. «Unlustig» oder «Moderation des Grauens» gehörten noch zu den harmloseren Kritiken in den sozialen Medien.
Einzig das österreichische Boulevardblatt «Kronen Zeitung» zeigte sich begeistert ob des «Fashion-Feuerwerks», das die Moderatorin zündete, samt «High Jewellery von Chopard im Gesamtwert von rund 4,5 Millionen Euro». Diese Begeisterung ist nicht erstaunlich, gehört Victoria Swarovski, Erbin des Swarovski-Kristallimperiums, doch zu den Lieblingen des Regenbogenblatts – spätestens, seit sie mit einem anderen prominenten Erben liiert ist, gibt es dort kein Halten mehr.
Swarovskis Partner ist seit 2023 der Red-Bull-Erbe Mark Mateschitz. Dieser ist nicht nur der reichste Mann Österreichs, sondern auch Mitbesitzer des privaten Senders Servus TV, einer Plattform für rechtsextremes Gedankengut, die auch seit Jahren auf die Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Sender hinarbeitet. Dass der ORF ausgerechnet eine aus dem Geldadel stammende und persönlich mit Servus TV verstrickte Moderatorin den grössten TV-Anlass Europas moderieren lässt, zeigt: Nicht nur in der Schweiz ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk wie das Kaninchen vor der Schlange erstarrt. Dabei weiss man doch aus der Geschichte: Appeasement ist selten eine gute Strategie. Erst recht nicht, wenn es gegen rechte Österreicher geht. ●
Zumindest das hätte der ORF von SRF lernen können: Wie richtig gute ESC-Moderation geht.