Aus der Küche des Wahnsinns : Jacky und Dani haben gern Zoff

Nr. 23 –

Karin Hoffsten über politische Alphatierchen

Wer in die Politik will, neigt selten zu Schüchternheit und starker Zurückhaltung – andernfalls bleibt er oder sie dort nicht lange. Auf Jacqueline Badran, meistpanaschierte Nationalrätin, und Daniel Jositsch, seit drei Legislaturen Zürcher Ständerat, treffen derlei Wesenszüge jedenfalls nicht zu – beide für die SP schon sehr, sehr lange in der Bundespolitik, beide kaum angekränkelt von Selbstzweifeln.

Als die Delegierten der Zürcher SP letzten Donnerstag beschlossen, Jositsch als ihren amtierenden Vertreter im Ständerat bei den nächsten Wahlen nicht mehr aufzustellen, entwickelte sich die Debatte zum veritablen Showdown, obwohl von den Kontrahent:innen nur er persönlich anwesend war.

Was «Watson» das «Jositsch-Drama» nannte, war eigentlich ein normaler demokratischer Vorgang. Weil es für die meisten Menschen schwer ist, auf sich selbst aufmerksam zu machen (ja, es gibt Ausnahmen!), bestimmen die Parteien als Wahlvereine, wen sie als Kandidat:in unterstützen wollen. Und Daniel Jositsch hat nun mal in seinem Amt diverse Male gegen die Auffassung seiner Partei Stellung bezogen.

Nun ringen viele die Hände und klagen, die Zürcher SP habe sich selbst ins Knie geschossen, weil sie mit Jositsch den Ständeratssitz wieder auf sicher gehabt hätte. Doch was hat die Partei von einem Vertreter, wenn zwar SP draufsteht, drinnen aber nur noch Spuren sozialer Substanz nachweisbar sind?

Die Partei sei eben nicht mehr «richtig» sozialdemokratisch, jammern viele, sondern jusomässig verdorben. Dabei versteht sich doch von selbst, dass die, die aktiv sind, auch die Inhalte bestimmen. Weil Badran – mindestens so selbstbewusst wie der «Abgesägte» – zuvor angedeutet hatte, eine Ständeratskandidatur nicht ablehnen zu wollen, plädierte eine knappe Mehrheit der Delegierten in ihrer Abwesenheit für sie.

Jetzt gehts zwischen den beiden ans Eingemachte. Jositsch liess verlauten, Badran wolle seinen Sitz schon lange, die Frage sei nur, «ob ich ihn ihr überlasse» – ein Mitwirken der Stimmberechtigten scheint da nebensächlich; Badran wiederum nannte ihn in einer Late-Night-Show «Möchtegernalphamännchen». Sie selbst, zweifelsfrei ein Alphaweibchen, scheint vielen zu ungehobelt für die kleine Kammer, die sich gerne als «Chambre de réflexion» betrachtet, manchmal aber eher eine «Chambre de réaction» ist. Ein paar Sottisen könnten den Laden ja nur auflockern. Hauptsache, es kommt dabei wirklich soziale Politik raus. ●

Nachtrag: Am 4. Juni gab Daniel Jositsch seinen sofortigen Austritt aus der SP bekannt, er will 2027 als Parteiloser für den Ständerat kandidieren. Der Zoff wird also weitergehen.