Pop : Clubfantasien vom Land

Nr. 24 –

Die elektronische Musik Südafrikas ist ein fast detektivisches Spezialgebiet im Pop: Die Herkunftsmythen und Verbreitungsgeschichten einer Multitude von regionalen Ideen sind so verworren wie das Spiel mit Stilen, Sprachen, Namen und Urheberrechten. Für Purist:innen mag das schlecht sein – für alle anderen aber entzieht sich dieses Geflecht auf überaus erfreuliche Art dem Wunsch nach Sortierung. Und körperlich bleiben die verschiedenen Kolorite stets unmittelbar erfahr- und differenzierbar. Die weite Welt tanzt darauf, ungelenk, uninformiert, egal; auch durch mehrheitlich weisse Clubs in Europa pumpt Kwaito, blubbert Amapiano, schnalzt Gqom und neuerdings: Mapanta.

Massgeblichen Anteil an der Verbreitung dieses angeblich auf die achtziger Jahre zurückgehenden, geradezu sausenden Stils hat Serokolo 7, ein 27-jähriger Soundsystem-Betreiber aus der Provinz Limpopo im Nordosten Südafrikas. Wer sich sein «Maramfa Musick Pro» anhört, das sich für den jungen Produzenten (ebenso wie für die geneigte Musikwelt) gerade zum Türöffner entwickelt, hat womöglich urbane Fantasien von illegalen Raves in den Townships grosser Metropolen. Tatsächlich aber, so heisst es im Begleittext zum Album, sei Mapanta eine Dorftradition und verleihe Hochzeiten, traditionellen Zeremonien und spontanen Jugendtreffen, der Ganzheit von Leben, Tod und Gesellschaft also, im ländlichen Limpopo einen zünftigen Adrenalineinschuss.

Serokolo 7 stellt den gesellschaftlichen Riten beruflich sein Soundsystem zur Verfügung, macht laut und freut sich an der Wirkung seiner hyperperkussiven, fühlbar spirituell grundierten Tracks. In der Sprache Sepedi Gesprochenes, Gesungenes, alles Melodische bleibt flüchtig oder in die rhythmische Funktion eingelassen, der Tanzboden wirkt dabei angenehm sandig, mal abgründig bis jenseitig, mal gänzlich dekonstruiert.

Zum Mitsingen ist das eher nicht gedacht. Das bleibt wohl den Geistern vorbehalten. Wer allerdings mit einem Körper ausgestattet ist, werfe ihn hinein und finde: die nur scheinbar paradoxe Wirkung musikalischer Hyperaktivität als grösstmögliche Entkrampfungschance. ●

Album-Cover «Maramfa Musick Pro» von Serokolo 7
Serokolo 7: «Maramfa Musick Pro». Nyege Nyege Tapes. 2026.