Film : Aliens für Erwachsene
Ungewöhnlicher Einstieg für einen Spielberg-Film: Er katapultiert uns direkt in die Perspektive eines Wrestlers. Wir werden brutal zu Boden geboxt, die Leinwand erlischt kurz in Schwarz. Man denkt: Lieblingssport von Donald Trump, der soeben seinen Achtzigsten mit einem Kampfsportanlass vor dem Weissen Haus gefeiert hat. Bei Steven Spielberg wird die Einstiegsszene zur Negativfolie. Sein «Disclosure Day» ist in jeder Hinsicht ein Antipode zur so primitiven wie simulierten Welt des Wrestlings – und des US-Präsidenten. Der selber bald achtzigjährige Filmemacher betont in Interviews, dass er seinen neuen Film als Plädoyer für mehr Empathie verstanden wissen will – gegen jedes Faustrecht des Stärkeren.
Schade nur, dass er dieses gut gemeinte Plädoyer in eine bestürzend banale Geschichte packt. Deren Pointe: Die Menschheit kann nur durch eine atemraubende Enthüllung vom «Abgrund des dritten Weltkriegs» gerettet werden, wie es heisst. Und: Wenn schon alle ständig auf die kleinen Bildschirme starren, sollen sie dort wenigstens gemeinsam dieselbe hoffnungsfrohe, bewusstseinserweiternde Botschaft aufsaugen.
Es ist nicht zu viel verraten, wenn man preisgibt, dass es in «Disclosure Day» wieder um Ausserirdische geht, wie damals bei «E.T.», nun aber aufbereitet für Erwachsene, denen Spielberg allerdings eine ganze Menge kindlicher Kitscheffekte zumutet. Zwei Auserwählte (Josh O’Connor und Emily Blunt) übernehmen die Rolle der Vermittler:innen zwischen menschlicher und extraterrestrischer Sphäre, ein guter und ein böser Mentor (Colman Domingo und Colin Firth) flankieren ihre Bemühungen.
Die durchaus relevante Frage, wie man in einer krisengeschüttelten Welt, die unschwer als die unsrige zu erkennen ist, «das Richtige» tut, erstickt im Würgegriff von Klischees und Glaubenssätzen. Was Spielberg mit «Jaws» so virtuos gelang – eine spannende Haifischjagd wurde zum Sinnbild für die Ängste und Bedrohungen der 1970er Jahre –, langweilt hier als überdeutlich ausbuchstabiertes Statement. ●
▶ «Disclosure Day». Regie: Steven Spielberg. USA 2026. Jetzt im Kino.