Kommentar : Vor dem grossen Knall
Der Börsengang von Space X sagt wenig über dessen Aussichten aus, aber viel über die Macht von Elon Musk, meint Daniel Stern.
Dass Gier die Börse regiert, ist nichts Neues. Immer wieder wird Anleger:innen vorgegaukelt, mit der Investition in eine neue Aktie werde sich das eingesetzte Kapital wie aus dem Nichts verzehn- oder verzwanzigfachen.
Nicht anders war es beim Börsengang von Elon Musks Firmenkonglomerat Space X von vergangener Woche. Obwohl der von ihm dominierte Konzern letztes Jahr Milliardenverluste schrieb, gelang es Musk locker, 75 Milliarden US-Dollar dafür einzusammeln. Dabei haben die neuen Aktionär:innen in «ihrer Firma» gar nichts zu melden. Ihnen gehört nur ein Bruchteil der Aktien. Musk wird den Konzern, zu dem auch xAI und X gehören, weiterhin uneingeschränkt beherrschen. Mit einem Aktienanteil von 42 Prozent verfügt er dank besonderer Regeln über 85 Prozent der Stimmrechte. Zusätzlich ist er jetzt zum ersten Billionär der Geschichte geworden, was sein Ego weiter stärken wird – wenn das überhaupt noch möglich ist. Rund 2,5 Billionen Dollar soll das Unternehmen, das den Bau einer Stadt auf dem Mond, die Besiedelung des Mars und Hunderte Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr mit künstlicher Intelligenz verspricht, inzwischen auf dem Papier wert sein.
Doch auch abgesehen von diesen irren Zukunftsvorstellungen ist es nicht vertretbar, Space-X-Aktien zu kaufen: Musk ist rechtsradikal gesinnt und richtete mit seinem Engagement in der Regierung von US-Präsident Trump grossen Schaden an. Als Leiter der Behörde für «Regierungseffizienz» stiftete er innerhalb der Bundesbehörden mit der willkürlichen Entlassung Hunderttausender Beamt:innen bewusst Chaos. Die Hilfsorganisation USAID bezeichnete er als «kriminelle Organisation», die «sterben muss». Mit seiner Beteiligung an ihrer faktischen Zerschlagung ist er laut Hochrechnungen für den Tod von Hunderttausenden in den Ländern des Südens mitverantwortlich. Kommt dazu, dass auch die Social-Media-Plattform X zum Firmenkonglomerat Space X gehört. Der Kurznachrichtendienst verbreitet schamlos rassistische Inhalte und Verschwörungstheorien, und Musk selbst nutzt ihn gerne zur Hetze gegen Nichtweisse (vgl. «Rassistische Routine»).
Doch in der Finanzwelt ist Musk jetzt ein Held. Der einflussreiche Banker James Dimon, CEO von JP Morgan Chase, nennt ihn «den Edison unserer Zeit». Dabei zeigt der Börsengang von Space X primär die Macht von Musk und die Auflösung dessen, was man in der Geschäftswelt «Corporate Governance» nennt: eine regelbasierte Unternehmensführung. Denn Musk hat durchgesetzt, dass die Regeln von Aktienindizes wie dem Nasdaq extra für ihn geändert worden sind: So wurden die Betreiber:innen von Indexfonds, sogenannten ETFs, gezwungen, seine Aktien zu kaufen, um zum weiteren Kursanstieg beizutragen. Milliardengelder von Pensionskassen, die in diese ETFs investiert sind, werden so die Spekulationsblase weiter aufblähen. Wenn dann die Blase platzt, sind es die Kleinsparer:innen und die Mitglieder der Pensionskassen, die den Schaden tragen. ●