Spatzen auf Kanonen : Mit der Lupe suchen

Nr. 26 –

Echte Männer seien eine bedrohte Spezies. So sieht das die Hälfte der 18- bis 24-jährigen Männer in der Schweiz, die an einer Studie des Jacobs Center for Productive Youth Development der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit männer.ch teilgenommen haben. Befragt wurden sie zu ihren «Männlichkeits- und geschlechtsbezogenen Einstellungen und deren Zusammenhang mit Ansichten zu Familie, Partnerschaft, Sexualität und Gewalterfahrungen».

Männer, deren Väter ausserhalb der Schweiz in patriarchalen Strukturen geboren wurden, seien halt wenig mit westlichen Gleichstellungsnormen vertraut oder stünden diesen reserviert gegenüber, (kurz)schliesst die Studie. Einmal mehr ist also «der Ausländer» das Problem. Während in der Schweiz selbstredend Gleichstellung herrscht und das Patriarchat überwunden ist. Schon erstaunlich, wie in der Umfrage zudem ausgerechnet einer der polarisierendsten Faktoren unter den Tisch fällt: der Einfluss des Konsums von Manosphere-Inhalten in den sozialen Medien auf die Radikalisierung junger Männer. (Immerhin ist geplant, entsprechende Zusammenhänge in einer Folgestudie zu vertiefen.)

Seit Jahren schüren Rechtsextreme und Rechtspopulisten den Hass auf Frauen, reden Jungen ein, dass sie von Frauen unterdrückt würden, und geben Tipps, wie sie «sich wehren» könnten: «Schlag, Schlag, Greifen, Würgen. Halt die Klappe, Schlampe. Sex.» – so erklärt es Andrew Tate, der einflussreichste Protagonist der Manosphere, seinen Millionen von Followern. In einer kürzlich im «New Yorker» erschienenen grossen Recherche hat die Journalistin Heidi Blake die brutalen, kriminellen und frauenfeindlichen Machenschaften von Tate nachgezeichnet. Sie dokumentiert, wie dadurch Gewalt gegen Frauen aktiv gefördert wird und Kriminelle zu Helden stilisiert werden.

So lange Typen wie Tate, Elon Musk oder Donald Trump vorleben können, dass Hass auf Frauen nicht nur nicht bestraft, sondern mit Macht, Geld und Ansehen belohnt wird, wird sich die Haltung junger Männer nicht verändern. Auch nicht in der Schweiz. ●

Wie intensiv «richtige Männer» an den Rand gedrängt werden, zeigt sich derzeit dank Männerfussball-WM überall im öffentlichen Raum.