Diese Woche
Liebe Leser:innen
Was sehen Sie vor dem inneren Auge, wenn Sie sich ein «wohliges Gefühl» vergegenwärtigen? Vielleicht den Moment der Abkühlung beim Sprung in ein Gewässer? Ausgiebiges Kuscheln am späteren Sonntagmorgen? Die leise Schadenfreude, wenn der Krypto-Bro am Nebentisch den Bitcoin-Crash zu verarbeiten versucht?
Die wenigsten unter Ihnen dürften spontan den Export von Schweizer Handgranaten oder Panzern imaginiert haben. Das spricht zwar für Sie, ist aus Sicht der Rüstungsindustrie aber bedauerlich. Jan Jirát hat sich an einem Branchentreffen in Basel unter die Lobbyist:innen gemischt und berichtet, wie die Waffenfirmen vor einer Abstimmung im Herbst erklärtermassen genau dieses «wohlige Gefühl» in uns zu wecken gedenken.
Dass die Berner Rapperin Alwa Alibi wohlige Gefühle erzeugen kann, ist eine glatte Untertreibung. Auf ihrem neusten Album ist sie das «Dreamgirl», auf das alle Frauen stehen und das in einer Garage mit anderen Lesben Autos flickt. Überhaupt spielt die 24-Jährige vergnügt mit Männlichkeit, wie Sie aus Nina Hurnis Porträt erfahren.
Nun zum absoluten Gegenteil von Vergnügen: Im Ostkongo herrscht seit Jahrzehnten Krieg, nun wütet auch noch eine Ebolaepidemie. Die Schilderung der Verhältnisse vor Ort ist schwer zu ertragen. Bereits sind Ebolapatient:innen wegen Hunger aus der Quarantäne geflüchtet. Diese Zustände haben direkt mit ausbleibenden Zahlungen zu tun, seit der US-Präsident die Entwicklungsagentur USAID geschliffen hat, wie Simone Schlindwein schreibt.
Apropos verheerende Viren: Vor einigen Wochen erschien ein Artikel zu Long Covid und ME/CFS, der zahlreiche Reaktionen ausgelöst hat – auch sehr kritische. Wir haben die Wissenschaftsjournalistin Theres Lüthi beauftragt, das Thema nochmals vertieft aufzugreifen. Über die medizinischen Hintergründe der Polarisierung beim Thema «Long Covid» lesen Sie hier.
Mit unseren besten Grüssen
Ihr WOZ-Kollektiv