Leser:innenbriefe

Nr. 28 –

Israel und der Libanon

«Kommentar: So wird bloss die Besatzung legitimiert», WOZ Nr. 27/26

Wären die Kommentare so gut wie die meisten Storys, ich würde die WOZ glatt noch abonnieren. Sind sie aber nicht, weil oft geprägt von implizitem Wunschdenken und realitätsfern und deshalb für mich etwas ärgerlich. So auch der Kommentar zu Israel/Libanon. Denn: Die aktuelle Regierung Israels will und wird nicht mit dem aktuellen Regime in Teheran verhandeln. Und umgekehrt. Völkerrecht hin oder her. Es geht um die Machterhaltung von alten Mackern und sonst gar nichts.

Rene Pfister, Zürich

Hier ist die Rede von einer «Besatzung» des Südlibanon. Nach meinen Kenntnissen des Deutschen handelt es sich um eine «Besetzung». Mit «Besatzung» wird das Betriebspersonal an Bord von Schiffen, Flugzeugen und Kriegsfahrzeugen bezeichnet. Man könnte also sagen: Mit den Panzerbesatzungen ihrer Armee sorgt die Besatzungsmacht Israel dafür, dass die Besetzung des Südlibanons stattfindet – korrekt?

Georg Schärrer, per E-Mail

Unfähigkeit des Kapitalismus

«Leitartikel: Verzweiflung ist nicht angebracht», WOZ Nr. 26/26

Vielen Dank an die Redaktorin für ihren Text. Er ist ganz in meinem Sinn, auch weil er mit der Bezeichnung «Leitartikel» ausdrücken will, dass wir die Diskussionen und die Aktivitäten in die Richtung lenken müssen, um den Ursachen und Folgen der Klimakrise entgegenzuwirken. Dabei müssen wir davon ausgehen, dass dieses System nichts dieser lebensbedrohenden «Entwicklung» entgegensetzen will und kann.

Wenn die Klimakrise noch nicht ausreicht, diese Unfähigkeit darzustellen, dann können die weltweite Hungerkrise und die Zunahme der unsinnigen Kriege die Unfähigkeit des Kapitalismus zum Ausdruck bringen. Dieser Leitartikel ist ein Aufruf an uns alle, alles zu tun, um eine menschenwürdige Zukunft für alle zu gestalten!

Beni Gnos, per E-Mail

Sowohl als auch

«Jean Ziegler (1934–2026): Empörung und heiliger Zorn», WOZ Nr. 25/26

Der Nachruf wurde der Persönlichkeit und dem Lebenswerk von Jean Ziegler meiner Meinung nach wirklich nicht gerecht. Es schien mir ein «zeitgemässer» «Sowohl als auch»-Beitrag. Besonders aufgestossen ist mir, dass der Autor die Klageschwemme der Banken gegen Ziegler mit dessen «ungenauem Umgang mit Zahlen» in Beziehung setzte, statt klarzustellen, dass es sich vor allem um missbräuchliche Einschüchterungsklagen (Slapp) handelte.

Christian Diebold, per E-Mail

Helen Frankenthaler

«Ausstellung: Malen im inneren Ausnahmezustand», WOZ Nr. 21/26

Das ist natürlich immer schön, wenn Kunst glücklich macht, und es sei der Autorin gegönnt. Und danke für die Inspiration; es war herrlich, ein paar Stunden dieses drückend heissen Maitages in den klimatisierten und kühl gestalteten Räumen des Kunstmuseums Basel zu verbringen.

Was die Bilder betrifft, nun, über Geschmack lässt sich bekanntlich – je nach Geschmack eben – vortrefflich oder gar nicht streiten. Ich sah darin vor allem Ratlosigkeit und, ja, Beliebigkeit. Dabei mag ich abstrakte Kunst, ansonsten hätte ich mir den Eintrittspreis nicht geleistet. Man kann natürlich hineininterpretieren, was man will.

Was mich aber beim Gang an den riesigen Leinwänden vorbei (man stelle sich den gigantischen Webstuhl vor) immer mehr und auch danach noch bedrückte, sogar etwas verärgerte, ist die Tatsache, dass ausgerechnet in der WOZ ein Artikel ohne jeglichen Bezug zur Klassenproblematik erscheint.

Es ist doch unbestreitbar nützlich für die Künstlerkarriere, die Tochter eines Supreme Court Justice, betucht und bestens vernetzt, nicht zu reden davon, mit einem bekannten Kunstkritiker liiert zu sein, während in ärmeren Gegenden derselben Stadt – wer weiss, vielleicht talentiertere – Künstler:innen derselben Generation sich weder Leinwände noch Farben und Pinsel leisten, sondern sich ihre Werke nur in ihrer Fantasie, an der Supermarktkasse, im Schlachthaus oder in der Damenabteilung von Macy’s ausmalen konnten. Derweil Frau Frankenthaler die Farben kübelweise auskippte. Ach ja, und ab und zu ein Klacks Metallfarbe.

Daniel Schmitter, per E-Mail