Spatzen auf Kanonen : Wie Arsch auf Eimer
Ob er ihn je gesagt hat, ist nicht gesichert, aber der Spruch wird dem Werber Rudolf Farner zugeschrieben: Man gebe ihm eine Million Franken, und er mache aus einem Kartoffelsack einen Bundesrat. Den Nachweis sind Farner und seine Branche bislang schuldig geblieben. (Wobei so mancher Bundesrat immer mal wieder Anlass zu Spekulationen gibt, ob es vielleicht doch gelungen sein könnte.)
In England macht nun einer mit einer Analogie zur Idee mit dem Kartoffelsack Furore – ein Abfalleimer, der den Rechtspopulisten Nigel Farage herausfordert. Seit ruchbar geworden war, dass er von einem Kryptomilliardär eine nicht deklarierte Spende über fünf Millionen Pfund erhalten hatte, versucht Farage, sich mit einem Stunt aus der Affäre zu ziehen: Erst gab er, wie man das so macht, seinen Rücktritt aus dem Parlament bekannt – um im nächsten Atemzug seine Kandidatur bei der fälligen Ersatzwahl anzumelden. Die Leute in seinem Wahlkreis, so Farage, könnten dann selbst entscheiden, ob er als Abgeordneter noch tragbar sei.
Auftritt Count Binface, als selbsternannter intergalaktischer Krieger quasi eine Kreuzung aus Darth Vader und Monty Pythons schwarzem Ritter, aber mit einer Mülltonne als Helm. Hinter der Figur steckt der Satiriker Jon Harvey, der bereits verschiedentlich als politischer Sprengkandidat aufgetreten ist. So wollte Count Binface schon Popstar Adele verstaatlichen oder die Militärpflicht für ehemalige Premierminister einführen. Aber Graf Mülleimergesicht kann auch seriösen Populismus: «Ich werde eure Steuern senken», versprach er kürzlich, «und für alle anderen die Steuern erhöhen.» Als er vor fünf Jahren als Bürgermeister von London kandidierte, holte Binface 24 000 Stimmen.
Nigel Farage, dieser populistische Vollpfosten, hat also endlich ein würdiges Gegenüber gefunden – alle anderen Parteien verzichten darauf, für diese Wahlfarce eine:n Kandidat:in aufzustellen. Seine Ersatzwahl, so hatte er selbstgerecht verkündet, werde eine Wahl des Volks gegen das Establishment sein. Für Count Binface lässt das nur zwei Schlüsse zu: «Entweder bin ich das Establishment – oder Farage spricht aus seinem Allerwertesten.» ●
Gehört ein adliger Kübel nicht eher ins Oberhaus? Nun, dieses würde, wenns nach Count Binface ginge, sowieso abgeschafft.