Interessante Welt : Die Taube der Tauben
Ruedi Widmer zum Friedensprozess der SVP
Die SVP will Frieden, verkünden landesweit Zehntausende Plakate. Man nimmt es ihr nicht ganz ab, denn bislang stand die SVP immer für die exportorientierte Rüstungsindustrie ein, die aber – und dafür steht vielleicht die Friedenstaube – nur an friedliche Länder liefert (ausgenommen die Ukraine).
In den 1980er Jahren lieferte Friedensvater Christoph Blocher als Strohmann mit seiner Firma Ems-Patvag Zünder für Waffen ins sanktionierte Apartheid-Südafrika. Auch dieser Dre(ie)ckshandel diente dem Frieden. Dank dieser Teile konnte der heutige SVP-Technogott Elon Musk in einem für ihn friedlichen Land aufwachsen.
Mir scheint eher, die sich zu sämtlichen ernsthaften Gesellschaftsfragen taub stellende SVP will einerseits Frieden mit sich selbst (Mittagsschläfchen, keine Klimadiskussionen, keine Presse, jeden Tag Rösti, Pick-up-Trucks, hochwertigen – teuren – Strom, den nur die Atomwirtschaft liefern kann) und andererseits Frieden mit den Palästen in Moskau. Letzterer ist das vordringliche Ziel, denn am russischen Gas und Geld hängt ein erheblicher Anteil der Schweizer Wirtschaftsleistung im Bevölkerungsspektrum, das die SVP vertritt.
Der Bauernstand, der sein Vieh inzwischen auf über 4000 Meter über Meer treiben muss (Finsteraarhorn, Weisshorn, Dom), um noch saftiges Grün vorzufinden, folgt auch noch eine Weile der Marschmusik Blochers und Putins, zumindest bis ein Freihandelsvertrag mit Moskau abgeschlossen ist, der russische Erdbeeren, russischen Weizen und russisches Fleisch in die Schweiz bringt. Denn die russische Ware ist nicht nur wie die schweizerische mit Pestiziden, sondern auch noch mit Altöl, Altkommunismus, Drohnenresten und radioaktiven Stoffen durchsetzt und damit keine Konkurrenz, wie es jene der Mercosur-Staaten beim scheiternden Freihandelsvertrag wäre.
Mit der Hitze sterben übrigens die letzten Menschen, die sich an den Nationalsozialismus erinnern können, noch schneller. Das kommt Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund («unser Ulli» – «eusen Ueli») natürlich gelegen.
Wenn nun die Muskist:innen mit ihren Supergenen (z. B. Ulf Poschardt) zur Abkühlung die 40-Grad-Erde verlassen wollen, um das All zu besiedeln, muss man einwenden, dass eigentlich die Grünen ins All reisen und ihre Saat verbreiten müssten, denn dann entstünde eine friedlichere und nachhaltigere Besiedelung des Sonnensystems als mit den unempathischen und manosphärischen Rechtspopulisten, die zwar Friedensplakate aufhängen können, aber bei denen es dauernd Streit und Krieg gibt, oft schon in der Beiz und natürlich im Internet. Also alle, die Robert Habeck auf den Mond schiessen wollen, wünschen sich etwas, das vielleicht viel besser wäre, als sie denken.
Oder um es mit der Sonne zu sagen, deren Blick auf die Menschheit während der Sonnenfinsternis durch den Mond verdeckt war: «Schön, das alles einmal nicht mitansehen zu müssen, auch wenns nur für einige Minuten ist.»
PS: Zugegeben, auf vielen Planeten können die Grünen so viele Windräder aufstellen, wie sie wollen, es wird trotzdem keine Luft haben. ●
Ruedi Widmer zeichnet in Winterthur die Welt und malt sich eine bessere aus.