Leser:innenbriefe

Nr. 34 –

Erhitzung und die Folgen

Diverse WOZ-Artikel zur Klimaerhitzung

Danke für die vielen guten Beiträge in der WOZ über die menschengemachte Klimaerhitzung und ihre Begleiterscheinungen. Ich habe mich gefragt, wer eigentlich Lust darauf hat. Lust auf mehr und extremere und langanhaltendere Wetterextreme und die damit verbundenen Zerstörungen, Hitzetage, Dürren, Ertragseinbussen und -ausfälle, Hungersnöte, Überschwemmungen, Waldbrände, Verwüstungen, Kriege, Krisen, Zerstörungen …

Und wer ist bereit, «nur» so viel / so wenig zu verbrauchen, wie es ihm/ihr zusteht? Zurzeit geht das Budget nicht auf. Also weiterhin vollen Einsatz für die Abmilderung der Ursachen für die Klimaerhitzung.

Simon Mattmüller, Basel

Räder und Klassendünkel

«Das gute Leben: Mit Töff ist alles besser», WOZ Nr. 33/26

Die einen fahren lieber Elektroroller, die anderen Scooter, wieder andere joggen am liebsten, und andere setzen sich gerne bequem ins Tram. Solange sie nicht im Dreitonnendieselpanzer oder im Privatjet die Umwelt zugrunde richten, können sich doch alle so fortbewegen, wie sie Lust haben. Es ist bedenklich, in wie vielen Medien mittlerweile Ressentiments geschürt werden, und es wäre doch sehr schade, wenn die WOZ als Leuchtturm in der deutschsprachigen Medienlandschaft auch noch damit anfangen würde.

Rolf Hensel, per E-Mail

Früher gingen Studierte in die Fabriken, um ihre Verbundenheit mit der Arbeiterklasse unter Beweis zu stellen. Heute reicht es anscheinend schon, eine Glosse über angeblich hochnäsige Velofahrende zu schreiben. Die Prämisse, ausgerechnet das in Anschaffung wie Betrieb billigste und dazu noch versatilste und effizienteste aller Verkehrsmittel sei ein Marker für Klassenprivilegien, ist einfach albern.

Toni Menninger, Bern

Kritische Diskussion

«Neutralitätsinitiative: Neutral für Putins Kriegskassen?», WOZ Nr. 33/26

Die Autorin bedauert, dass die Welt von den Befürwortern der Initiative in «Gute» und «Böse» unterteilt werde. Da kann ich nur zustimmen. In diesem Sinne wirft sie Herrn Lindner also doch nicht vor, dass er geltend macht, die westlichen Länder hätten eine konstruktivere Rolle spielen können, um den Krieg in der Ukraine zu verhindern? Denn wenn der «westliche Block» nicht durch und durch schlecht ist, sind es die anderen ja auch nicht, oder?

Ich stimme voll und ganz zu, dass das gesamte Völkerrecht eingehalten werden muss – nicht nur das Verbot der Aggression. Vielleicht wäre es notwendig, auch über das Verbot äusserer Einmischungen zu sprechen, das alle Länder – und nicht nur Russland – einhalten müssen.

Oder von der Forderung, die die Generalversammlung der Uno in ihrer Resolution vom 1. März 2022 formuliert hat, dass der Konflikt in der Ukraine auf dem Verhandlungsweg beigelegt werden soll. Inwieweit wurde diese Forderung vom «westlichen Block» eingehalten? Medien, die über diese Tatsachen berichten, würden vielleicht dieses manichäische Denken vermeiden, das für den Frieden sicherlich gefährlich ist.

Denise Plattner, per E-Mail

Selbstverständlich ist es legitim, wenn die «etablierte Linke» sich die Beitrittsoption zu einem zukünftigen «EU-Militärbündnis» offenhalten will, die Militarisierung der Gesellschaft aktiv unterstützt – Stichwort: sicherheitspolitisches Strategiepapier – oder den «Feind» Russland mit Sanktionen «in die Knie zwingen» will. Unredlich ist es aber, wenn man dies nicht klar benennt und mit «Schalmeienklängen» (Geldsackneutralität) vernebelt oder linke Friedensaktivist:innen als «Verschwörungstheoretiker:innen» verunglimpft.

Die nationalkonservative Schweiz hat ihre «Neutralitätsinitiative» im November 2022 als Reaktion auf die Übernahme der EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland lanciert. Jetzt, vier Jahre später, hat die Initiative eine damals nicht zu erwartende Dringlichkeit erhalten. Zur Abstimmung kommen zwei grundsätzlich verschiedene Modelle von Neutralität: Auf der einen Seite soll sie als ein offenes, flexibles «Instrument» eingesetzt werden, und auf der anderen soll sie stabil und «immerwährend» sein. Dass sich die «etablierte Linke» für das «marktliberale» Modell entschieden hat und sich damit in die EU-Kriegslogik einordnet, ist wenig überraschend, aber trotzdem höchst bedauerlich.

Marc Meyer, Zürich

Dieser Artikel war unglaublich stumpf. Es findet aktuell eine europaweite Aufrüstung und Militarisierung mit Milliardenbudgets statt. Die Diskussion in der Schweiz, die Neutralität zu lockern und näher an die Nato zu rücken, ist damit eng verbunden. Eine linke Grundsatzkritik daran als «Das sind halt die Putin-Versteher» abzutun, bläst genau in das Horn, welches uns durchs Band beschallt und die ganzen Aufrüstungsbudgets legitimieren soll.

Selbst wenn man gegen die taktische Entscheidung ist, eine solche Initiative zu unterstützen – es ist einfach weit unter meinen Erwartungen an eine linke Zeitung, dass diese Position dermassen billig und hetzerisch abgefertigt wird. «Der Nato eine Mitverantwortung» zu geben, ist für die Redaktorin explizit sogar bereits ein Zeichen, dass man Putin liebt und mit Verschwörungstheoretikern kuschelt. Ist sich die WOZ bewusst, wie sehr sie damit auf Linie ist mit der Marschrichtung «Wir hier im Wertewesten müssen uns schützen gegen die reaktionären Autoritären»?

Silvan Gerber, per E-Mail