Was weiter geschah : Wil traut sich nun doch nicht
Ein knapper Ausgang war vorausgesagt worden. Und tatsächlich hätte es nur 235 Personen gebraucht, die am letzten Wochenende bei den Wiler Stadtratswahlen anders gewählt hätten, und die Überraschung wäre perfekt gewesen. So aber gewann Lukas Reimann von der SVP mit 3670 Stimmen gegen Michael Sarbach von den Grünen mit 3201 Stimmen. Die Wahl fand Beachtung, weil die Kleinstadt als eine Art Politlabor gilt, aus dem eine Bundesrätin und drei Nationalrät:innen hervorgingen. Mit Reimann beschreitet nun einer von ihnen den umgekehrten Weg in die Kommunalpolitik.
Mit seiner Kampagne, in der sich Reimann als frische Kraft inszenierte, nutzte er offenbar ein Momentum: Zahlreiche aufgeschobene Investitionen und ein Millionendefizit bei der Sanierung eines historischen Gebäudes, das im Wahlkampf publik wurde, nährten seine Erzählung über eine Stadt in der Krise. Opponent Sarbach zeigt sich nach der Wahl zwar enttäuscht, spricht aber dennoch von einem «absolut guten Resultat». Er sei dankbar, dass er bis weit über die Mitte hinaus Stimmen geholt habe – am Ende sei es aber wohl für manche Bürgerliche doch nicht so einfach, das Kreuz bei einem Grünen zu machen. Sarbach will sich mit «neuem Rückenwind» weiterhin im Stadtparlament und im St. Galler Kantonsrat engagieren – auch eine neuerliche Kandidatur für den Stadtrat schliesst er nicht aus.
Reimann wiederum kündigte an, dass er sich voraussichtlich auf Ende Jahr aus dem Nationalrat zurückziehen werde. Sein Nachfolger dürfte der Flumser Landwirt Marco Gadient werden, der die Bäuer:innenfraktion im Bundeshaus unter der Leitung von Markus Ritter noch etwas vergrössern würde. Auch in diesem Sinn: aus der Ostschweiz nichts Neues. ●
Nachtrag zum Artikel «Stadt der Underdogs» in WOZ Nr. 32/26.