Diese Woche
Liebe Leser:innen
Die Kantone Aargau, St. Gallen und Zürich wollen das Kopftuch muslimischer Frauen an Schulen verbieten. Die bürgerlich-rechten Mehrheiten in den Parlamenten verkaufen das als Schutz vor religiösem Zwang. Doch wer glaubt, mit Verboten die Gleichstellung zu fördern, irrt, stellt die Religionswissenschaftlerin Hannan Salamat im Interview klar. Damit würden bloss Frauen aus dem öffentlichen Leben gedrängt. Wie soll die Linke diesem Kulturkampf begegnen? Ayse Turcan zeigt in ihrer Analyse, dass das Thema auch in der SP Gräben sichtbar macht – weil dort laizistische Prinzipien und das Engagement gegen antimuslimischen Rassismus aufeinandertreffen.
Das Projekt Rojava ist am Ende: Mit der Eingliederung der Autonomen Selbstverwaltung in den syrischen Zentralstaat geht eine Utopie verloren, erklärt der Politikwissenschaftler Ismail Küpeli. International isoliert und ohne Machtmittel blieb den Kurd:innen kaum eine andere Wahl. Was bleibt, ist die Erfahrung, dass ein gleichberechtigtes Zusammenleben möglich ist.
In unserer Serie «Reden wir vom Richtigen?» analysiert Georg Diez den autoritären Staatskapitalismus von Donald Trump, für den der US-Präsident Regierungsgewalt und private Gier unverblümt verbindet. Wer diesen Trend stoppen will, muss das Verhältnis von Staat und Eigentum neu denken, von Bürgerfonds bis zur digitalen Grundversorgung.
Daniela Janser hat sich an der Kunstbiennale in Venedig umgesehen: Die Hauptausstellung «In Minor Keys» setzt statt auf KI und Bildschirme auf eine duftende, haptische «Arche Noah des Organischen». Ein sinnliches Widerstandsnest gegen die Verrohung der Gegenwart.
Und zum Schluss: Macht Testosteron wirklich härter, wütender und aggressiver? Obwohl die Forschung keinen eindeutigen Zusammenhang belegt, hält sich der Mythos hartnäckig. In seinem Essay geht Merlin Ferox den Ursprüngen dieser falschen Gewissheit nach.
Gute Lektüre!
Ihr WOZ-Kollektiv